1. Dezember 2000 - Internationaler Tag der Gefangenen für den Frieden

Liebe Freundinnen und Freunde, liebe Unterstützerinnen und Unterstützer der War Resisters' International,

Krieg und Militarismus zu widerstehen bedeutet in vielen Ländern noch immer Arrest und Inhaftierung. PazifistInnen und AntimilitaristInnen, die gegen staatliche Gewalt in Form von Wehrpflicht, Kriegssteuern, Militärausgaben, Atomwaffen oder militärischer Unterstützung diktatorischer Regime Widerstand leisten, werden häufig zu Opfern anderer Formen staatlicher Gewalt, darunter körperliche Folter und lange Gefängnisstrafen.

Ich wurde früher in diesem Jahr vom serbischen staatlichen Sicherheitsdienst entführt, gefoltert und verhört. Auch wenn ich von der Brutalität meiner Vernehmer schockiert war, so wusste ich doch, dass meine Anwesenheit dort kein Irrtum war. Es war meine anhaltende Arbeit zur Unterstützung von Kriegsdienstverweigerern und Deserteuren, die mich in diesen Keller gebracht hatte. Dem Regime, das seit mehr als 13 Jahren Krieg und Gewalt hervorgebracht hatte, blieb nur noch die blanke Gewalt. Schließlich entschied es sich für die Anwendung von Gewalt selbst gegen jene, die Akte des Ungehorsams lediglich politisch unterstützt hatten.

Für den Frieden inhaftiert zu sein ist keine Sache von Tapferkeit. Ich weinte, betete und flehte meine Folterer an. Ich war kein Held und wollte nie einer sein. Es war lediglich meine politische Haltung gegen Krieg und Gewalt als Mittel zur Lösung von Konflikten und mein politischer Kampf für die Respektierung des elementaren Menschenrechtes, Krieg und Gewalt zu widerstehen, die mich in Gefahr durch einen unterdrückerischen Staat gebracht hatten.

Anderswo in der Welt sind andere Männer und Frauen inhaftiert, weil sie sich weigerten zu töten oder dem Militärdienst entflohen oder sich weigerten, Kriegssteuern zu zahlen. Dies sind die Menschen und Taten, denen wir an diesem Tag Ehre erweisen. Wir erinnern uns ihrer in unseren Gedanken und Gebeten, doch handeln wir auch in Solidarität und zu ihrer Unterstützung.

An diesem 1. Dezember des Jahres 2000 bitte ich im Namen der WRI:

  • um die sofortige Freilassung der Gefangen, die für den Frieden kämpften;
  • um die globale Anerkennung des Rechts auf Gewissensfreiheit, sowohl für die, von denen gegen ihren Willen verlangt wird, zu töten, als auch für die, von denen gegen ihren Willen verlangt wird, das Morden (durch Steuern) zu finanzieren;
  • um das Recht auf Asyl für Menschen aus Ländern, in denen Kriegsdienstverweigerung nicht anerkannt ist, und für die Asyl häufig die einzige Alternative dazu ist, Waffen in die Hand zu nehmen, oder verhaftet zu werden, gefoltert, oder sogar hingerichtet zu werden.

Um uns zu helfen diese Ziele zu erreichen, die von der WRI vor mehr als einem dreiviertel Jahrhundert aufgestellt wurden, möchten wir Sie/Euch um Ihren/Euren Beitrag zur Unterstützung dieser Stimmen für den Frieden bitten, die dafür kämpfen, gehört zu werden. Wir legen diesem Schreiben die Ehrenliste der Gefangenen für den Frieden 2000 bei, und wir möchten Sie/Euch ermuntern, den 1. Dezember zu begehen, indem sie Nachrichten, Unterstützungs- und Aktionsaufrufe für diejenigen verteilen, die inhaftiert sind. Wir bitten um finanzielle Unterstützung für ihre Familien. Wir rufen auf zu Protesten, Mahnwachen und Kampagnen für ihre Freilassung.

Die War Resisters' International ihrerseits wird ihre Solidaritätsarbeit mit KriegsgegnerInnen, Deserteuren, Kriegsdienstverweigerern, Friedens- und VersöhnungsarbeiterInnen in allen Teilen der Welt fortsetzen.

In Solidarität mit Dir/Ihnen und allen KriegsgegnerInnen der Welt,

Bojan Aleksov
Mitglied der WRI, Jugoslawien

PS Ihre Spende hilft der WRI Gefangene für den Frieden zu unterstützen. Bitte beachten Sie die Angaben über Spenden an die WRI auf der Rückseite. Vielen Dank.