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Die Gegen-Rekrutierungsbewegung in den USA

Angesichts eines endlos scheinenden Kriegs gegen den Terror, der die Möglichkeit eines dauerhaften Frieden immer weiter untergräbt, sehen sich immer mehr AktivistInnen in den Vereinigten Staaten zu einer Form des Engagements hingezogen, das sich mit der Beziehung von jungen Menschen zu Militarismus beschäftigt. Diese Arbeit wird als Gegenmilitärrekrutierung oder kurz Gegenrekrutierung bezeichnet und konzentriert sich auf die Demilitarisierung einer Nation durch die geistige Demilitarisierung ihrer Jugend.

Von Menschen außerhalb der Bewegung für Frieden und Gerechtigkeit wurde die Gegenrekrutierung, die auf eine etwa dreißigjährige Geschichte zurückblicken kann, oftmals verleumdet und missverstanden; ihre Ursprünge liegen in der Zeit kurz nach dem Ende des US-amerikanischen Kriegseinsatzes in Vietnam und dem damit einhergehenden Ende der Wehrpflicht. Dieser neuen Situation musste sich das Militär anpassen, um Menschen für den freiwilligen Dienst zu gewinnen, was sich in einem breiten Spektrum von Anreizen und Rekrutierungstaktiken zeigte, von denen viele bis heute eingesetzt werden. Das Hauptproblem dabei ist, dass junge Leute von den WerbeoffizierInnen nicht alle Informationen bekommen, die für eine ausgewogene Entscheidung für das Militär notwendig wären. Auch wenn es schwer begreifbar erscheint, dass junge Menschen in den USA von den WerberInnen getäuscht werden können, ist in Wirklichkeit der Militarismus dafür ausschlaggebend, der das Denken der Massen vernebelt. Von daher hinterfragen viele Jugendliche nie die von den Uniformierten mit Nachdruck geführten "Verkaufsgespräche?.

Im Wissen um diese Bedeutung des Militarismus ist Gegenrekrutierung eine direkte Antwort, die sich gegen die Vorstellungen des Militärs als Heiliger Kuh, als "Säule unserer Gesellschaft" oder "Garant unserer Freiheit" richtet. Die Arbeit der Gegenrekrutierungs-AktivistInnen spielt sich oftmals eher hinter den Kulissen ab als in Form von profilstarken Kampagnen und Demonstrationen. Ziel ist, die Schulpolitik gegenüber MilitärwerberInnen und deren Zugang zu den Jugendlichen zu verändern. Die zentrale Botschaft der Gegenrekrutierung ist die Forderung, dass Entscheidungen auf der Grundlage umfassender Informationen getroffen werden sollten, vor allem wenn sie derartig das Leben verändern und eine Verpflichtung für acht Jahre ihrer Lebenszeit bedeuten. Tausende von Menschen und Hunderte von Gruppen sind nun in dieser Arbeit aktiv, doch ein kurzer Blick in die Vergangenheit zeigt, dass dies vor dreißig Jahren keineswegs der Fall war.

Erste Anfänge

Die meisten der Gruppen und Personen, die während des Vietnamkriegs direkt mit Jugendlichen arbeiteten, berieten als so genannte "Draft Counselors" junge Männer, die eingezogen wurden. In dieser Funktion versuchten sie gemeinsam mit Einberufenen, die aus Gewissensgründen nicht am Militärdienst oder an einem Kriegseinsatz teilnehmen wollten, die diesen offen stehenden Möglichkeiten auszuloten. Mit dem Ende der Wehrpflicht nahmen viele dieser Antikriegsaktivisten wieder ihr gewohntes Leben auf oder widmeten sich anderen Aktionsformen; nur sehr wenige interessierten sich für die Militarisierung junger Menschen und arbeiteten bei TFORM (Taskforce on Recruitment and Militarism). Diese frühe Organisation gegen Wehrpflicht und Rekrutierung geht ins Jahr 1976 zurück und bestand aus dem Central Committee for Conscientious Objectors, dem American Friends Service Committee, der War Resisters League und dem National Inter-religious Board for Conscientious Objectors.

In den frühen 1980er Jahren holte die amerikanische Bundesregierung das "Selective Service Registration System" aus der Mottenkiste, in dem die Daten von Millionen von Menschen gesammelt worden waren, um die Einberufungslotterie am Laufen zu halten. Da es keinen größeren Krieg zu führen gab, benutzten die USA dieses Auswahlsystem als Drohung gegen die Sowjetunion im Kalten Krieg. Natürlich begannen AntikriegsaktivistInnen schnell wieder mit der Beratung von Einberufenen, doch stellten sie letztlich fest, dass die Methoden, mit denen junge Menschen zur Meldung zum freiwilligen Militärdienst verführt wurden, ein weitaus größeres Problem waren als die Möglichkeit einer Einberufung.

Mitte der 1980er entstanden überall im Land Gegenrekrutierungsgruppen, deren AktivistInnen Strategien und Verlauf der Militäranwerbungen untersuchten sowie die Vermittlung von Militarismus an junge Menschen. Zu dieser Zeit wurde auch unser heutiges Verständnis von Gegenrekrutierung entwickelt.

Eines der bedeutendsten Randereignisse bei dieser Form des Engagements war das Vorgehen gegen das Committee Against Registration and the Draft aus San Diego (Kalifornien), denen eine Anzeige in einer lokalen Highschool-Zeitung untersagt wurde. CARD wollte nur die gleichen Mittel wie das Militär anwenden, um junge Menschen zu erreichen, und klagte gegen das Verbot. Nachdem sie in den ersten Instanzen verloren hatte, reichte CARD Klage beim Bundesgericht ein und bekam Recht. Die Urteilsbegründung bei diesem Präzedenzfall war, dass es sich bei Militärwerbung an Schulen um eine kontroverse Aktivität handle, weshalb eine Schule durch deren Erlaubnis auf dem Gelände ein "begrenztes öffentliches Forum" eröffne und daher nicht eine Seite dieser kontroversen Diskussion zensieren dürfe. Dank dieser Entscheidung hatten AktivistInnen der Gegenrekrutierung den jeweils gleichen Zugang zu Schulen wie die MilitärwerberInnen, um auch diejenigen Informationen an den Highschools zu verbreiten, die die WerbeoffizierInnen aus Angst vor dem Verlust potenzieller SoldatInnen niemals weitergeben würden. Während dieses Urteil die größte Bedeutung für jene hatte, die im Zuständigkeitsbereich dieses Gerichts arbeiteten, beziehen sich AktivistInnen im ganzen Land darauf, wenn über Veränderungen in der Schulpolitik verhandelt wird.

Die 1990er: der Erste Golfkrieg

Mitte der 1990er rückte der Erste Golfkrieg in den Fokus der Arbeit, was großen Aktionismus gegen das "Junior Reserve Officer Training Programm" an Highschools auslöste. Viele GegenrekrutierungsaktivistInnen fürchteten die Rückkehr der Wehrpflicht und erarbeiteten Notfallpläne zur Beratungsarbeit für die Einberufenen. Zwar wurde die Wehrpflicht nicht wieder eingeführt, doch gab es viele Armeeangehörige, die aus Gewissensgründen zu der Überzeugung gelangten, dass eine Militärtätigkeit nicht mehr mit ihren zentralen Wertvorstellungen vereinbar war. Die AktivistInnen bemühten sich nun um Hilfe für diese neue Gruppe von VerweigererInnen und KriegsgegnerInnen, woraufhin in dieser Zeit zwei neue Organisationen entstanden: die GI Rights Hotline und die National Coalition to Demilitarize our Schools.

Zwischen dem Ende des Golfkriegs bis zum Einmarsch im Irak 2003 hatte sich der Gegenrekrutierungsaktivismus bedeutend verkleinert. Die Antikriegs-/Friedensbewegung hatte nicht in ausreichendem Maße das Konzept verstanden, dass der Aufbau von Frieden und die Vermeidung von Krieg durch Gegenrekrutierung möglich wären. Deshalb waren nur noch wenige landesweit tätige und einige Graswurzelgruppen aktiv, als der Einmarsch in den Irak stattfand.

Eine neue Welle des Aktivismus

Die Millionen Menschen, die gegen den Einmarsch demonstrierten, konnten diesen zwar nicht verhindern, doch der Krieg diente als unglückseliger Anlass, um die Aufmerksamkeit auf den sog. Poverty Draft zu lenken. Mit diesem Terminus wird die Tatsache bezeichnet, dass die am wenigsten Privilegierten der US-Gesellschaft zum Dienst im Militär gezwungen sind, weil sie nur wenige andere Möglichkeiten haben, ein Gehalt, medizinische Versorgung oder andere Sozialleistungen wie das nötige Geld für eine höhere Ausbildung zu erhalten.

Inzwischen gibt es Tausende von Menschen, die durch Gegenrekrutierung für Frieden eintreten. Einige arbeiten an der der Veränderung der schulischen Politik, damit SchülerInnen die Möglichkeit haben, alle Informationen zu bekommen, die für eine qualifizierte Entscheidung notwendig sind. Andere versuchen jungen Menschen aufzuzeigen, welche Alternativen ihnen tatsächlich zur Auswahl stehen. Wieder andere initiieren Kampagnen gegen vom Militär bezahlte Programme in den Klassenzimmern; dieser Bereich wird von vielen als eine der wichtigsten Methoden betrachtet, um den Kurs der Nation bei einem neuen Krieg zu ändern. Ist dieser Form des Engagements der Katalysator zur Beendigung der derzeitigen Kriege? Vielleicht -- vielleicht auch nicht, doch glauben viele, dass hier das Potenzial zum Wandel einer Nation liegt. Wir stellen uns darauf ein, dass wir diese Arbeit fortführen, bis die Notwendigkeit dafür nicht mehr existiert.

Oskar Castro

Oskar Castro arbeitet beim AFSC-Programm Youth and Militarism. Mehr dazu unter http://www.youth4peace.org