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Erklärung der WRI zum Massaker in Bejing: Rohe Gewalt wird niemals siegen

Artikel im Zerbrochenen Gewehr Nr. 13, Juni/Juli 1989

Die Internationale der Kriegsgegner-/innen ist entsetzt über das Massaker an unbewaffneten chinesischen Personen auf dem Tienanmen-Platz und verurteilt es aufs Schärfste. Nur ein Führungspersonal ohne Unterstützung und Vertrauen des Volkes kann Soldaten befehlen, „mit jedweden Mitteln“ gewaltfreie Demonstrationen für demokratische Rechte und Freiheiten zu unterdrücken.

Die ersten Soldaten, die ausgeschickt wurden, um die Demonstrierenden auseinanderzutreiben, waren sich der Todesstrafe für Desertion wohl bewusst. Doch angesichts gewöhnlicher Menschen, die Demokratie verlangten, weigerten sich viele, Befehlen zu gehorchen – wobei einige von ihnen sich sogar der Protesbewegung anschlossen – während andere demoralisiert und unbewaffnet zurückkehrten, um die schändlichen Aktionen, zu denen sie befohlen worden waren, zu erwägen.

Unsere Hoffnungen liegen bei denjenigen, die es wagen, die Befehle zu verweigern, bei den aufsässigen Studentinnen und Studenten sowie den Arbeiter/innen und ihren autonomen Organisationen, bei den tapferen Soldaten, die ihrem Herzen gefolgt sind und die Gewehre abgegeben haben. Die übrigen Truppen – diejenigen, die gehorsam Zivilisten abgeschlachtet haben, die unbewaffnete Menschen, die mit eingehakten Armen dastanden, überrollt haben, die aufs Geratewohl in die Menge geschossen haben, die mit ihren Panzern über Zelte und die Menschen darin gefahren sind – werden ihren Platz in der dunklen Geschichte des Gehorsams unmenschlicher Befehle einnehmen. Die Einheiten der 27-ten Armee, die den Angriff ausführte, befinden sich auf derselben Ebene wie die Schlächter von 1973 im Fußballstadium von Santiago de Chile, wie diejenigen, die den Befehlen gehorchten, Gaskammern zu bauen, Atombomben abzuwerfen, chemische Waffen einzusetzen und im Dienst repressiver Regimes in der ganzen Welt Folter einzusetzen.

Es ist nicht überraschend, dass es möglich ist, friedlichen Protest zusammenzuschießen oder zu überrollen. Was uns überrascht, ist der Mangel an Weisheit der Menschen, die die Befehle geben. Auf lange Sicht wird rohe Gewalt niemals den Sieg erringen. Es hat in der Geschichte schon viele Massaker an unbewaffneten Menschen gegeben, die Freiheit verlangten. Als internationale Pazifisten in der Tradition von Gandhi erinnern wir besonders an das britische Massaker von Amritsar von 1919, als General Dyer und seine Soldaten hunderte Menschen erschossen und über tausend verwundeten, um ein Verbot öffentlicher Versammlungen durchzusetzen. Die Armee des Britischen Raj behauptete dabei noch nicht einmal, eine „Volksbefreiungsarmee“ zu sein. Die indische Unabhängigkeitsbewegung blieb fest in ihrer Verpflichtung auf gewaltfreie Nichtzusammenarbeit, und im Ergebnis wurde Indien eine der ersten Kolonien, die ihre Freiheit erreichte.

Die militärische Gewalt, die wir in Bejing gesehen haben, wird niemals vergessen und kann nicht entschuldigt werden. Die Mauer kann nicht länger andere Völker daran hindern zu sehen, was in China passiert – sowohl die von der chinesischen Regierung befohlene Brutalität wie den Mut der Student/innen und Arbeiter/innen. Angesichts solcher Gewalt bewundern wir die im Fernsehen übertragene Gewaltfreiheit der Student/innen, die einen Soldaten erretteten, der von einer wütenden Menge geschlagen wurde. Wenn wir diese Ereignisse miterleben, gibt uns das die Pflicht zu reagieren, unsere Empörung vor der chinesischen Regierung und unsere Unterstützung der Forderungen der Student/innen und Arbeiter/innen zu zeigen.

Die WRI unterstützt völlig unsere chinesischen Schwestern und Brüder in ihrem Kampf für eine gerechte und demokratische Gesellschaft. Ihre Gewaltfreiheit und Offenheit haben ein neues Element in das politische Leben Chinas getragen, diese Mittel reflektieren über die Ziele, die sie zu erreichen suchen. Wir rufen die chinesische Regierung auf, ihre Anstrengungen aufzugeben, die Bewegung für Demokratie zu zerstampfen, die Hausdurchsuchungen zu beenden, die Verhafteten freizulassen und die gerechten Forderungen, die von den Student/innen und Arbeiter/innen erhoben worden sind, anzuerkennen.

London, 5. Juni 1989.