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Die Botschaft überbringen, laut und deutlich

KDV-Aktivist Sergeiy Sandler berichtet über die anwachsende Welle der Verweigerung des Militärdienstes in Israel während der zweiten Intifadah.

32 Menschen - das ist eine kleine Zahl. Eine Demonstration mit 32 TeilnehmerInnen verdient kaum den Namen. 32 Menschen wurden Israel seit Oktober 2000 wegen ihrer Weigerung Militärdienst aus Gewissens- oder politischen Gründen zu leisten, inhaftiert oder sonstwie bestraft.

32 mag alles in allem keine so kleine Zahl sein. Es ist sogar ein sehr große Zahl, wenn wir sie mit dem Vorjahr vergleichen - nur drei. Sie ist ausserdem nicht so klein, weil sie eine grössere Menge repräsentiert:

Es wird geschätzt, dass mehrere Hundert dieses Jahr von zwei Komitees befragt wurden, die eingesetzt wurden, um Fälle von Kriegsdienstverweigerung zu untersuchen. Im israelischen Recht gibt es einen KDV-Status nur für Frauen. Männer werden von ihrem Komitee, zusammengesetzt ausschliesslich aus Militärpersonal, praktisch immer abgelehnt, und die meisten werden schliesslich im Gefängnis landen.

Yesh-Gvul, eine Organisation, die selektive politische VerweigererInnen unterstützt, berichtet, dass sie etwa 250 Anrufe von VerweigererInnen erhielten, die meisten sind ReservesoldatInnen, die sich aus politischen Gründen speziell weigern in den palästinensischen besetzten Gebieten zu dienen. Die meisten dieser VerweigererInnen landen nicht im Gefängnis, da die Armee irgendwann entscheidet, sie innerhalb der anerkannten Grenzen Israels zu stationieren. Trotzdem wurden einige von ihnen, einschliesslich von sechs Unteroffizieren, bestraft.

Das Druse Initiative Committee, dass innerhalb der religiösen Gemeinschaft der Drusen für Kriegsdienstverweigerung eintritt, schätzt, dass nur 50% aller drusischen Männer letztlich Militärdienst leisten. Viele Mitglieder der religiösen Gemeinschaft der Drusen, die zur israelischen Armee einberufen werden, weigern sich in einer Armee zu kämpfen, die gegen ihre eigenes, palästinensisches, Volk kämpft. Die Militärbehörden verlangen von drusischen Verweigerern aussergewöhnlich lange Zeiten hinter Gittern, bevor sie aus der Armee entlassen werden. Kürzlich bemerkte ein drusischer Aktivist, dass sein Dorf, mit wenigen tausend EinwohnerInnen, bereits mehr als 500 Jahre Militärgefängnis angesammelt hat.

Der Anstieg der Zahl erklärter Verweigerer markiert das Auftreten einer neuen Generation israelischer BürgerInnen, unabhängiger in ihrem Denken. 62 dieser jungen Menschen, im Alter zwischen 15 und 18, haben einen Brief an den israelischen Premierminister Ariel Sharon unterzeichnet, indem sie ihre Absicht erklären, die Beteiligung an der Unterdrückung der palästinensischen Bevölkerung zu verweigern. "Wir protestieren ihnen gegenüber gegen die aggressive und rassistische Politik, die von der israelischen Regierung und ihrer Armee verfolgt wird, und informieren Sie darüber, dass wir nicht beabsichtigen, uns an der Ausführung dieser Politik zu beteiligen", schrieben sie. Der Brief wurde am 2. September veröffentlicht und erhielt breite öffentliche Aufmerksamkeit. Seitdem haben weitere Jugendliche ihre Unterschrift hinzugefügt.

Als letztes leisten, nach Daten, die von der feministisch-antimilitaristischen Bewegung New Profile zusammengetragen wurden, nur 44% aller israelischen Jugendlichen ihren dreijähringen Wehrdienst vollständig ab. Dienst in der Reserve, in Israel immer noch Pflicht für alle Männer, wird nur von einer kleinen Minderheit geleistet. New Profile sieht diese Fakten als klaren Beweis für eine breite und wachsende Bewegung des Widerstandes gegen Einberufung in Israel an, die grösstenteils ausserhalb der öffentlichen Sichtbarkeit stattfindet. Die erklärte Verweigerung ist nur die Spitze des Eisberges.

Um sicher zu gehen, nicht alle diese Menschen, die keinen Militärdienst leisten, tun dies aus Gewissensgründen, oder teilen die moralischen und politischen Ansichten, die von erklärten Kriegsdienstverweigerern präsentiert werden. Trotzdem scheint es so, dass die meisten Israelis, selbst einige von denen, die Unterstützung für die schlimmsten Kriegsverbrechen zum Ausdruck bringen, schliesslich daran scheitern, wenn es darauf ankommt, diese Verbrechen mit ihrer Taten zu unterstützen. Indem sie wegbleiben stimmen sie mit den Füssen ab, und ihre hohe Zahl führt dazu, dass sie eine signifikante Rolle spielen.

Und wie steht es um die erklärten Kriegsdienstverweigerer - bezogen auf ihre Zahl mag es eine marginale Gruppe innerhalb der israelischen Gesellschaft sein, doch sie bereiten den Weg für viele andere. Jeder Akt der Kriegsdienstverweigerung ist eine gelebte und öffentlich sichtbare Antithese zu dem angeblichen Konsens, der die Armee als Institution umgibt, und zu der kriminellen Politik, die von der israelischen Armee in Palästina umgesetzt wird. Jede Person, die sich weigert in der Armee zu dienen nimmt durch ihre Weigerung, automatisch die Entscheidungen der Generäle in der Armee und der Regierung zu unterstützen, am politischen Kampf gegen Militarismus in der israelischen Gesellschaft teil.

Ausserdem wird die Botschaft, die vom Akt der Kriegsdienstverweigerung ausgeht, über die Grenzen Israels hinaus gehört, insbesondere und zu aller erst in der palästinensischen Gesellschaft. Kriegsdienstverweigerer, insbesondere jene, die für ihre Überzeugung inhaftiert werden, dienen als lebender und sehr wohl wahrgenommener Beweis für unsere PartnerInnen in der palästinensischen Gesellschaft, dass es in Israel noch immer Menschen gibt, mit denen sie kooperieren können, um eine gemeinsame moralische und politische Version zu erreichen.

Seit Beginn der Intifadah wurde 32 Kriegsdienstverweigerern der Prozess gemacht; fast alle wurden inhaftiert. Faktisch ist dass doch keine so kleine Zahl.

Sergeiy Sandler ist bei New Profile aktiv.
New Profile, PO Box 48005, Tel Aviv, 61480, Israel, email: ghiller@haogen.org.il; http://www.newprofile.org).