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Diego Garcia: DER GRÖßTE MILITÄRSTÜTZPUNKT AFRIKAS

Lindsey Collen

Oft geraten die afrikanischen Inselstaaten in Vergessenheit. Mit dem Begriff „der Kontinent” werden sie offenbar ausgeschlossen. Und das ist ein schwerer begrifflicher Fehler, wenn man die US-Militärpräsenz in Afrika untersucht.

Das werden wir Schritt für Schritt anpacken.

Die Republik Mauritius im Indischen Ozean gehört zu Afrika. Daher liegt jeder Militärstützpunkt auf dem mauritianischen Staatsgebiet in Afrika und wird folglich 2014 bei der Tagung von War Resisters’ International in den Vordergrund rücken.

Der Chagos-Archipel ist ein Teil der Republik Mauritius. Daher liegt jeder Stützpunkt im Chagos-Archipel in Afrika .

Die Insel Diego Garcia ist ein Teil des Chagos-Archipels. Daher liegt auch jeder Stützpunkt auf Diego Garcia in Afrika.

Tatsächlich gibt es auf Diego Garcia einen enormen Militärstützpunkt, demnach auch in Afrika. Und um dem Krieg zu widerstehen, muss man auch den Kriegsstrukturen widerstehen, nämlich den Stützpunkten. Der Stützpunkt von Diego Garcia ist besonders widerlich, weil er weit entfernt von Afrika gesteuert wird und vor jedweder demokratischer Kontrolle versteckt ist.

Wieso ist den wenigsten Menschen in Afrika bewusst, dass der Militärstützpunkt auf Diego Garcia Afrika betrifft, gar nicht davon zu reden, dass er in Afrika liegt? Und wer sollte über den Stützpunkt demokratische Kontrolle haben? Wissen die US-Bürger eigentlich, was in ihrem Namen erfolgt – was für Schreckenstaten dort oder von dort aus begangen werden? Wie haben die Mauritier ihre demokratische Kontrolle über Diego Garcia verloren, bevor sie sie überhaupt hatten? Sind die Mauritier besorgt? Sind wir in Afrika als Ganzes besorgt?

Hier sind einige Antworten. Viele davon geben noch weitere Rätsel auf. Alle stellen die Frage der demokratischen Kontrolle über afrikanisches Land. Dies ist wichtig, weil uns die demokratische Kontrolle ein Kriegsende erlaubt.

Entkolonialisierung Afrikas noch nicht vollendet

In den 1960-er Jahren, in denen sämtliche vormals britische Kolonien sich an die Unabhängigkeit annäherten, stahl die britische Regierung, ausgerechnet die Labour-Partei, hinter dem Rücken des Volkes einige Inseln ihrer zwei Kolonien im Indischen Ozean, Mauritius und der Seychellen. Zudem gründete sie bewusst gegen die historischen Fortschritte der Entkolonialisierung mit den gestohlenen Inseln eine nagelneue Kolonie. Der bizarre Name des Anachronismus lautet „Britische Territorien im Indischen Ozean”, kurz BIOT. Der Name BIOT wurde niemals anerkannt, außer von seinen teuflischen Schöpfern. Später forderten die Seychellen ihre Inseln zurück, natürlich mit Erfolg. Die UNO erklärte die Annexion des Territoriums von Mauritius durch Großbritannien für illegal. Die Resolutionen der OAU und der Bewegung der Blockfreien bekräftigten immer wieder ihren logischen Standpunkt. Allerdings war das Thema nicht bei den Volksmassen verbreitet, außer den Mauritiern. Ich kann bezeugen, dass in den 1970er Jahren, als ich über diese Angelegenheit mit gut informierten politischen Aktivisten aus der ganzen Welt, unter anderem aus Großbritannien, Tansania, Südafrika und den Vereinigten Staaten redete, diese zunächst dachten, ich würde Märchen erzählen. Lediglich die professionellen Diplomaten wussten über den Stützpunkt Bescheid. Sie wussten das aufgrund der mehrmaligen Resolutionen in sämtlichen internationalen Foren.

Während der Auflösung des Reiches agierte der britische Staat nicht allein.
Wie man heute schon erraten kann, steckte er mit dem wachsenden US-Militär unter einer Decke. Ihr schändliches gemeinsames Handeln wurde zugedeckt durch eine organisierte Geheimhaltung, die im Jahre 2000 bei einem wichtigen Urteil im Bancoult-Prozess vom britischen Obersten Gerichtshof eine „Verschwörung “ genannt wurde.

Erzwungene Entvölkerung eines Teils von Mauritius

Zusammen fingen Großbritannien und die US-Regierung an, diese zu Mauritius gehörigen Inseln, nämlich den gesamten Chagos-Archipel einschließlich der Hauptinsel Diego Garcia, zu „entvölkern”. Früher galt Diego Garcia weltweit als schönstes unberührtes Atoll aller türkisblauen Ozeane.
Das Volk, das dort seit 200 Jahren ansässig war, wurde betrogen, ausgehungert und letztendlich von den Inseln gedrängt. Ihre Hunde wurden vor den Augen der liebevollen Besitzer vom britischen und US-Militär vergast. Zur Warnung. Anschließend wurden die Männer, Frauen und Kinder an Bord eines Schiffes getrieben und über den Ozean zur Hauptinsel Mauritius transportiert, wobei sie am Hafen abgeladen wurden. Dort in der Hauptstadt Port Louis wurden sie sich selbst überlassen, in einer Stadt, deren Arbeiterklasse sich zu jener Zeit mitten im Wirbel der „Rassenkriege” und der von der Partei der Unabhängigkeitsgegner ausgelösten kommunalen Gewalt befand. Es gab eine Massenflucht in mehrere Richtungen und es gab die Abspaltung, die während ethnischer Gewalt entsteht, da das, was früher eine „Gemeinschaft” war, sich spaltet. Ein öffentlicher Notstand wurde ausgerufen. Die britischen Truppen verhängten eine Ausgangssperre. Die Unabhängigkeit konnte statt um Mitternacht erst mittags erklärt werden. Aus Sicherheitsgründen. Die Menschen der Armenviertel von Port Louis hatten Angst, Hunger und keine Arbeit. Und sie waren diejenigen, die die Chagossianer bei sich aufnahmen. Die Chagossianer die nicht nur völlig mittellos und enteignet waren, sondern orientierungslos und in einer Art verwirrter Trauer, die nur durch Massenvertreibung entsteht. Eine Traurigkeit, die oft zum Tode führt.

Der US-Militärstützpunkt

All diese Verbrechen wurden nicht zur Zeit der Konquistadoren, nicht einmal vor 200 Jahren, sondern erst in jüngster Zeit begangen. Sie wurden während unserer eigenen Lebenszeit kaltblütig begangen, um auf afrikanischem Boden einen Militärstützpunkt einzurichten.

Wir Afrikaner sind dafür verantwortlich, dass der Stützpunkt geschlossen wird.

Die Verbrechen vermehren sich weiter

Und die Verbrechen werden immer mehr.

Aus Diego Garcia ist ein Atomstützpunkt geworden. Atom-U-Boote werden sogar dort gewartet, seit sie nach Demonstrationen in Italien von dort abgezogen worden sind.

Der illegale Bombenangriff auf Bagdad mit dem orwellschen Namen „Shock and Awe” („Schrecken und Ehrfurcht”) nutzte Diego Garcia als ein Trampolin für viele der B-52-Einsätze. Zivilisten wurden mitten in einer Werbung für das Feuerwerk von Rüstungen einfach ausgelöscht.

In Afghanistan wurden bei einem aus Diego Garcia kommenden Angriff ein Hochzeitszug und ein eine ganze Großfamilie vernichtet.

Auf Diego Garcia fanden illegale Urteilsverkündungen1 statt. Diese wurden geleugnet, bis die Wahrheit nicht mehr geheim gehalten werden konnte. Letztendlich kam das Eingeständnis im britischen Parlament.

Der Vertrag von Pelindaba

Was bedeutet für Diego Garcia die Inkraftsetzung des Vertrags von Pelindaba, der die Herstellung von Kernwaffen in Afrika verbietet? Die Gründung der Afrikanischen Nuklearenergiekommission (AFCONE). Ihre Büros sollen in Südafrika eingerichtet worden sein. Stimmt dies? Und wenn, wer weiß genau, wo sie sich befinden?

Kurz gesagt ist die Gesetzwidrigkeit des Militärstützpunkts jetzt aus einem weiteren Grund bestätigt worden. Der Vertrag ist nämlich verbindlich. Demnach muss der Stützpunkt geschlossen werden.

Dagegen gab es die Frage der „punktierten Linien”, die auf der Landkarte, mit der der Vertrag versehen wurde, Chagos umkreisen. Diese punktierten Linien deuten darauf hin, dass Chagos ein mauritianisches Gebiet ist, folglich ein Teil Afrikas, aber sie zeigen auch, dass Chagos von Großbritannien und den Vereinigten Staaten besetzt ist.

Großbritannien spielt den ökologischen Nichtregierungsorganisationen und ihrem Meeresschutzgebiet einen Streich

2010 braute Großbritannien eine neue Verschwörung über Chagos zusammen, die dank des Verpfeifens von Julian Assange durch WikiLeaks Cables entblößt wurde. Mit der Verschwörung sollte die Gründung eines „Meeresschutzgebiets” um Chagos erlaubt werden, wobei der Atomstützpunkt ignoriert und behauptet wurde, BIOT sei Teil des britischen Territoriums. Der mauritische Staat hat Großbritannien vor den Gerichtshof des Seerechtsübereinkommens der Vereinten Nationen (UNCLOS) gezerrt und die erste Schlacht gewonnen, die Aufmerksamkeit auf seine Klage zu lenken.

Bewegungen in Mauritius gegen den Militärstützpunkt auf Diego Garcia

Schon lange gibt es in Mauritius eine starke Bewegung mit folgenden vier Zielen: die Schließung des Stützpunkts, die komplette Entkolonialisierung von Mauritius, die Wiedervereinigung des Landes und seines Volkes und ausreichende Reparationen für alle Vertriebenen und ihre Familien. Die mauritianische Linkspartei LALIT gehört zu dieser Bewegung.

2014: Neue Verpachtung zwischen Großbritannien und den Vereinigten Staaten

Der erste Pachtvertrag zwischen Großbritannien und den Vereinigten Staaten, der schon immer als gesetzwidrig galt, endet 2016. Im ablaufenden Pachtvertrag steht, dass die Verhandlungen um eine Verlängerung 2014 anfangen sollten. Daher hat LALIT durch die Gründung des „Diego-Komitees” eine gemeinsame Front aufgemacht. Im Juli 2013 begann sie eine Kampagne mit Plakaten, Flugblättern und Versammlungen in den Stadtvierteln, um die Regierung von Mauritius dazu zu bringen, Großbritannien wegen illegaler Besetzung zu verklagen und die Schließung des Militärstützpunktes zu fordern.

Wir wollen unsere Kräfte mit allen in Afrika vereinen, die die Absicht haben, die US- und anderen Militärstützpunkte zu schließen, das Afrikanische Kommando der Vereinigten Staaten (AFRICOM) aus Afrika herauszuhalten und die Richtlinien der US-Botschaft über militärische Auslandspräsenz in afrikanischen Ländern (SOFAs) zu untersuchen. Wir müssen uns gegen die militärischen Übergriffe wehren, Stück für Stück. Neulich hat das Diego-Komitee in Mauritius sämtliche Verbände und Bürgergesellschaften zum Boykott der US-Währung aufgerufen.

Lindsey Collen: For LALIT, Mauritius www.lalitmauritius.org

Übersetzer: Richard Meakin und Gerd Buentzly