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"Schwarzer Block"

Diejenigen, die mich kennen, wissen sehr gut, dass ich Gewalt in keiner Form unterstuetze. Im Camp haben ich selbst sowie andere Mitglieder von NATO-ZU hart daran gearbeitet, die Situation zu deeskalieren.

Gleichzeitig denke ich, dass wir differenzieren muessen, wenn wir von "dem schwarzen Block" reden. Den schwarzen Block gibt es nicht.

Von meinen Beobachtungen im Camp her kann ich sagen, dass diejenigen, die die meisten Probleme verursacht haben, nicht organisierte Gruppen des sogenannten "schwarzen Blocks" waren, sondern unorganisierte Jugendliche, viele franzoesisch, viele deutsch, ich vermute mal oft aus benachteiligten Stadtvierteln, wo sie taeglich Belaestigungen durch die Polizei erleben. Ich stimme mit Kate Hudson ueberein, dass diese Leute kein politisches Ziel hatten - sie wollten ihren Kampf mit der Polizei. Das machte unsere Deeskalationsbemuehungen so schwer, und am Freitag eskalierte die Situation um das Camp herum nicht weiter, da die Polizei wirklich nicht an einer Eskalation interessiert war.

Das Problem ist auch, dass nicht-organisierte Leute viel leichter von der Polizei oder durch Provokateure provoziert werden koennten. Auf dem Indymedia-News-Ticket sah ich folgendes:(http://linksunten.indymedia.org/de/node/4112):
[Strasbourg] Um 16:20 Uhr wurden in der Rue d'Algier 20 zivile Polizeiwagen gesehen, in denen die Hälfte der Bullen uniformiert war und die anderen Hälfte als Black Block verkleidet (04.04).

Ausserdem sprach mich am Freitag, auf dem Weg zurueck ins Camp nach unserem gescheiterten Deeskalationsversuch eine Person von Dissent Frankreich an um mir zu danken, aber er/sie sagte auch, dass er/sie denkte, dass sich mindestens 10 Provokateure in der Menge befanden.

Ich habe auch von Mitgliedern des schwarzen Blocks etwas Selbstkritik vernommen, dass die Dinge in Strasbourg wirklich zu weit gingen.

Mein eigener Eindruck ist, dass wir Kommunikationskanaele mit den Gruppen des schwarzen Blocks, die dazu bereit sind, und dazu in der Lage sind, kritisch ueber das, was in Strasbourg passiert ist, zu reflektieren, offen halten muessen. Wir werden sie nicht von Gewaltfreiheit ueberzeugen koennen, doch mit diesen Gruppen kann es moeglich sein, zu Vereinbarungen zu kommen (nicht immer, aber oft).

Wir befinden uns in einer gesellschaftlichen Situation, die zu einer Eskalation der Gewalt unter Jugendlichen fuehrt, insbesondere in benachtteiligten Stadtteilen. In Frankreich und Deutschland sind dies oft Stadtviertel mit vielen ImmigrantInnen. Das bedeutet, dass die Auseinandersetzung zwischen Polizei und AktivistInnen bei Demonstrationen eher zunehmen werden. Wir koennen sage, dass wir diese Leute in unseren Demonstrationen nicht wollen, doch ist das Wunschdenken - wir koennen dies nicht verhindern. Dies ist moeglich in hoch-organisierten Aktionen Zivilen Ungehorsams, wie z.B. unseren Block-NATO-Aktionen, da wir in diesen mit unseren Strukturen der Bezugsgruppen und des SprecherInnenrates wissen, wer Teil der Aktion ist. Doch bei grossen Demonstrationen ist dies nicht moeglich.

Ich denke auch dass wir sehr ernsthaft darueber nachdenken muessen, wie wir bei Demonstrationen deeskalieren koennen. Es ist klar, dass das traditionelle System von OrdnerInnen mit dieser Art von Eskalationen nicht umgehen kann. Vielleicht muessen wir ueber Bezugsgruppen, die in Deeskalation trainiert sind, nachdenken, die dazu bereit sind, sich zwischen Polizeireihen und gewaltsame Jugendliche zu stellen, um diese physisch zu separieren. Ich weiss nicht, ob das funktionieren koennte, und es braucht sicherlich viel mehr Nachdenken darueber.

Ich denke, aufgrund der Probleme, die wir mit dem Vertrag fuer das Camp und der Demonstrationsroute hatten, haben wir alle nicht viel darueber nachgedacht, was auf dem Camp und bei der Demonstration passieren koennte, und wie wir damit umgehen wuerden. Und so waren wir darauf nicht vorbereitet.

Mir selbst ist es nicht mehr gelungen, zur Demonstration zu kommen, doch von den Berichten, die ich lese und hoere ist es klar, dass auch die Polizei in einer sehr provozierenden Art und Weise agiert hat. Dennoch denke ich, dass wir besser darin haetten sein koennen, Leute davon abzuhalten, die Herausforderung der Polizei anzunehmen, und wir haetten besser deeskalieren koennen. Wie, das weiss ich leider auch nicht.

Ich denke, wir sollten versuchen, so viele Informationen wie moeglich zusammenzutragen, so dass wir ein komplettes Bild der Ereignisse erhalten. Wir muessen das dann gruendlich auswerten, und diskutieren, was das fuer unsere Arbeit in der Zukunft bedeutet.

Zum Abschluss moechte ich allen danken, die in Strasbourg hart fuer unsere Aktionen gearbeitet haben. Ich habe Strasbourg am Sonntag sehr zufrieden darueber, was wir - als Block-NATO und NATO-ZU - mit unserem Zivilen Ungehorsam erreicht haben, verlassen, doch auch traurig ueber die Ereignisse des Samstag Nachtmittag.

Andreas

(nach einem Email an das Internationale Koordinationskomitee vom 7 April 2009)