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Ein Interview mit dem griechischen Militärdienst- verweigerer Lazaros Petromelidis

Lazaros Petromelidis ist ein griechischer Kriegsdienstverweigerer, der seit 1992 wegen seiner Überzeugung verfolgt wird. Mit Kat Barton sprach er über seinen langen Kampf für die Anerkennung des Rechts auf Verweigerung.

KB: Wann hast du zum ersten Mal gemerkt, dass du es nicht mit deinem Gewissen vereinbaren könntest, zum Militär zu gehen?

LP: Das war 1991 als ich die Universität abgeschlossen hatte und der Zeitpunkt kam, zur Armee zu gehen - obwohl ich schon 1987/88 von den ersten Kriegsdienstverweigerern gehört hatte. Es war also nichts Neues für mich.

KB: Warum bist du Kriegsdienstverweigerer?

LP: Ich konnte mir mich selbst nie in der Armee vorstellen. Ich will das Recht haben, zu entscheiden, auf welche Weise ich diene. Niemand fragt sich, warum wir eigentlich im Militär dienen müssen, aber warum haben wir ein Heer von 100.000 Menschen - das sind zu viele - und warum geben wir der Armee so viel Geld?

KB: Was hast du gemacht, als du den ersten Einberufungsbefehl erhalten hast?

LP: Ich habe einen Brief geschrieben und darin erklärt, dass ich nicht gehen wollte, dass ich aber bereit sei, stattdessen einen alternativen Dienst zu leisten.

KB: Wie wurdest du vom Militär und den griechischen Behörden behandelt, als du dich zum Kriegsdienstverweigerer erklärt hast?

LP: Die Behörden beantworteten meinen Brief 2 Stunden nach dem Erhalt! Sie sagten, dass es in Griechenland keine Alternative zum Wehrdienst gebe und ich deswegen zur Armee müsse. Mein Brief war etwas Seltsames für sie. Obwohl sie schon von anderen Kriegsdienstverweigerern gehört hatten, wollten sie es nicht akzeptieren. Sie fragten mich, warum ich nicht gehen wolle. Sie erzählten mir, das sei doch nichts Schlimmes, und ich sei doch ein gebildeter junger Mann und solle nicht mein Leben zerstören!

KB: Welche Unterstützung hast du erhalten, als du zum ersten Mal deinen Status als Kriegsdienstverweigerer erklärt hast?

LP: Der Verein griechischer Kriegsdienstverweigerer hat mich unterstützt, so dass ich mit Leuten diskutieren konnte, die die gleichen Probleme hatten wie ich.

KB: Was denken deine Freunde und Familie darüber, dass du Wehrdienstverweigerer bist?

LP: Meine Freunde akzeptierten das als meine Entscheidung. Meine Familie hatte große Angst, weil das etwas ganz Neues für sie war. Sie hatten Angst vor Konflikten mit der Armee. Ich will mit ihnen nicht darüber reden, weil es sehr schwer für sie ist. Mein Vater hat zu mir gesagt: "Was du da tust ist sehr ernst. Denk an den Militärgerichtshof."

KB: Welche Konsequenzen hatte deine Überzeugung und die Reaktion der griechischen Behörden für dich?

LP: Zwischen 1992 und1996 gab es keine Probleme - in diesen 4 Jahren hat mich niemand belästigt. Aber alle wussten, dass 1997 ein neues Gesetz in Kraft treten würde und dass die Armee Wehrdienstverweigerer dann würde bestrafen wollen. Zu dieser Zeit mussten viele von uns sich festnehmen und ins Gefängnis stecken lassen, bevor wir unsere Kriegsdienstverweigerung und das Recht auf einen Zivildienst einfordern konnten. Das war einfach eine Rache gegen uns ältere Verweigerer. Für mich persönlich gab es Differenzen mit anderen Verweigerern, weil ich mich entschied, unter meiner bekannten Adresse zu Hause wohnen zu bleiben, während viele andere umzogen, um der Verhaftung zu entgehen.

KB: Wie oft bist du im Gefängnis gewesen, und warum?

LP: Drei mal. Das erste Mal 1998 wegen der Umgehung der Einberufung. 1999 hatte ich dann zwar einen anerkannten Status als Kriegsdienstverweigerer, aber man sperrte mich ein, weil ich mich weigerte, einen Zivildienst von 30 Monaten zu machen. Wenn ich zum Militär gegangen wäre, hätte ich 4 Monate gedient - ich kann nicht 4 Monate durch 30 ersetzen! Das dritte Mal war ich 2001 im Gefängnis. Hier in Griechenland wird man alle 3 Monate erneut zum Wehrdienst einberufen. Das heißt, du wirst aufgefordert zu kommen, du weigerst dich, du kommst ins Gefängnis, und dann fordern sie dich 3 Monate später wieder auf. Ich kann doch nicht alle drei Monate bestraft werden, weil ich nicht zum Militär will! Eigentlich sollte ich gerade jetzt auch im Gefängnis sein - im Dezember 2004 wurde ich in meiner Abwesenheit zu 2 ½ Jahren verurteilt - vielleicht kommt die Zeit, wenn sie beschließen, mich festzunehmen. Ich bin in ihren Händen - ich kann nichts tun.

KB: Wie haben sich die Einstellungen zur Wehrpflicht und zu Wehrpflichtverweigerern in Griechenland verändert, seit du dich deinem ersten Einberufungsbefehl widersetzt hast?

LP: In den späten 80ern und den frühen 90ern galt die Armee für die griechischen Jungen als ganz normales Ding, sie war akzeptiert. Niemand fragte "warum muss ich da hin?". Ich denke dass heute viele junge Männer nicht gehen wollen - also lassen sie´s einfach, oder sie gehen ins Ausland. Aber sie sagen das nicht in der Öffentlichkeit - sie haben Angst. Es ist einfach, in eine öffentliche Klinik zu gehen und zu sagen, dass du verrückt oder Alkoholiker bist - dann kriegst du ein Papier wo drauf steht, dass du untauglich bist. Das passiert oft in Griechenland. Vielleicht 3-4000 Leute jährlich benutzen diese Methode. Seit ich zum ersten Mal den Kriegsdienst verweigerte, hat sich einiges verändert. Das Hauptproblem ist die Dauer des Zivildienstes. Wir haben jetzt ein neues Gesetz nach dem der Zivildienst doppelt so lang wie der Militärdienst minus einen Monat ist.

Ich meine, dieses Gesetz ist besser als gar keines. Ich denke dass es jedes Jahr besser werden wird. Noch sind wir nicht so viele: nur 100 Kriegsdienstverweigerer aus ideologischen und etwa 1000 aus religiösen Gründen, vor allem Zeugen Jehovas - die kämpfen allerdings weniger öffentlich, sie sind nicht so aktiv wie wir. Es wäre besser, wenn es mehr Wehrdienstverweigerer gäbe.

KB: Wie sähe der Idealfall aus - welche Zugeständnisse würden die Griechischen Behörden Kriegsdienstverweigerern machen?

LP: Der alternative Dienst müsste genau so lange dauern wie der Militärdienst.

KB: Welchen Rat würdest du griechischen Männern geben, die darüber nachdenken, den Militärdienst zu verweigern?

LP: Habt keine Angst.

KB: Hast du manchmal Zweifel daran, deinen Kampf weiter zu führen?

LP: Nein, nein, nein!

KB: Was kannst du über die Bewegung griechischer Wehrdienstverweigerer sagen - wo steht sie heute, wohin entwickelt sie sich und wie sieht ihre Zukunft aus?

LP: Wir sind keine Bewegung, aber wir haben eine Stimme. In den letzten 2 Jahren sind wir wegen des Zulaufs von jungen Leuten zahlenmäßig gewachsen. Wir versuchen sie zu überzeugen, dass sie keine Angst haben müssen und dass wir sie unterstützen werden, wenn sie sich entscheiden, in die Öffentlichkeit zu treten. Das ist eine sehr wichtige Arbeit für uns. Die griechische Gesellschaft diskutiert nicht über Militärdienstverweigerung - wir haben diese Diskussion Ende der 80er begonnen, und wir werden sie weiter führen.

Wir verändern die Dinge - aber wir sind wenige. Es gibt mehr Verweigerer, die nicht mit dem Verein zusammenarbeiten wollen. Sie stehen für ihre Überzeugung, aber sie arbeiten allein. Wir erwarten nicht mehr als 2 oder 3 Fälle im Jahr - aber das ist besser als einer pro Jahr, wie es vorher war, also ist das sehr gut! Wir sind wenige, aber gemessen an unseren Kräften haben wir viel getan. In 10 oder 20 Jahren wird Griechenland eine Berufsarmee haben - dann werden wir eine Wehrdienstverweigererbewegung nicht so sehr brauchen wie jetzt. Bis es soweit ist, werden wir weiter machen.