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Verknüfung der alltäglichen Gewalt mit der globalen Gewalt

Gesprächsleitung:Joanne Sheehan, War Resisters' International

Die globale Gewalt durch Krieg und Miltarismus ist ganz eng mit der Gewalt verbunden, die die Leute in ihrem alltäglichen persönlichen Leben erfahren. Gewalt wird zu etwas Normalem, da die Medien uns ständig Informationen über Verbrechen und Greueltaten, die auf der ganzen Welt passieren, liefern. Das Ergebnis: eine "Mitgefühls-Müdigkeit", als relativ neues Phänomen in den westlichen Gesellschaften. Joanne Sheehan wies jedoch darauf hin, daß das Erzählen persönlicher Geschichten das Grauen wirklicher werden läßt und die Leute wieder sensibilisiert. Um diesen Gedanken zu verstärken, bildeten drei Leute aus unterschiedlichen Teilen der Welt das Forum und erzählten den Zuhörern ihre Geschichten.

Hasina Khan, eine Muslimin und Frauenaktivistin aus Aawaz-E-Niswan in Indien sprach über die Auswirkung der Gewalt auf kommunaler Ebene zwischen indischen Hindus und Muslimen auf Einzelpersonen, Familien und Kinder. Sie beschrieb insbesondere ein geplantes und vom Staat gesponsertes Massaker, ausgeführt von den Unterstützern der radikalen Hindu Sangh Parivar im indischen Staat Gujurat am 28. Februar 2002. Dieses Massaker war einmalig in seinen Ausmaßen hinsichtlich Völkermord, Grad der Beteiligung vonseiten des Staates und Greueltaten. Sie unterstrich ihre Geschichte durch Poster und Dias. Das Massaker hinterließ in den Muslimen, besonders den Kindern, ein Gefühl des Betrogenwordenseins vonseiten der Hindus. Hasina Khan schreibt das Massker den Aktivitäten der radikalen Hindu Sangh Parivar zu, deren wachsender Einfluß auf die indische Gesellschaft und die Staatsstrukturen, einschließlich Polizeit und nationaler Regierung, sowie der Indoktrination von Hindu-Kindern mit einer verzerrten, manchmal sogar perversen "Hindu"-Ideologie - was an sich auch eine Form von Gewalt ist.

Im zweiten Teil ihres Vortrags versuchte Hasina Khan, gewaltfreie Lösungen für diese übermäßige kommunale Gewalt zu untersuchen. Sie sprach sich gegen Formen des gewaltfreien Widerstands, wie er durch Gandhi in den Zwanzigern und Dreißigern des letzten Jahrhunderts praktiziert wurde, aus. Sie verwies eher auf Protestversammlungen, Filmvorführungen, Posterausstellungen und Unterschriftskampagnen, um das Gewissen der "schweigenden Mehrheit" zu wecken und diese an dem Bemühungen zu beteiligen, Druck auf die Regierung auszuüben, damit sie gegen die Aggressoren etwas unternimmt. Sie betonte, daß die Aggressoren bestraft werden sollten und den Opfern Gerechtigkeit zuteil werden müßte - sonst wird es zu Vergeltungsschlägen kommen. So ist das Hauptziel, die Gruppen zusammenzubringen und das Bewußtsein der (potentiellen) Aggressoren zu verändern. Das "Khoji"-Projekt an den Gemeindeschulen in Mumbai geht zum Beispiel erfolgreich gegen die verwurzelten Klischees über Hindus an, die muslimische Kinder gerade nach dem 28. Februar haben. Ähliche Projekte laufen jetzt an den Schulen, in denen Hindus in der Mehrzahl sind.

Neles Tabay ist ein katholischer Priester aus West-Papua, einem von Indonesien besetzten Gebiet im Pazifik. Seit 1963 sind die Papuaner Folter, Vergewaltigung, Einschüchterung und anderen Formen der Menschenrechtsverletzung ausgesetzt. Zwischen 1963 und 1988 wurden mindestens 100.000 Papuaner getötet, oft während militärischer Einsätze der indonesischen Armee. Westpapua wurde zur militärischen Einsatzzone (DOM) erklärt, und jeder Papuaner steht im Verdacht, ein Mitglied oder ein Förderer der Papuanischen Befreiungsorganisation (Organisasi Papua Merdeka) zu sein. Neles Tabay erinnerte sich daran, wie er als Kind lernte, die indonesische Armee zu fürchten und wie der Konflikt Hass und Gewalt zwischen den Papuanern und zwischen den papuanischen Dörfern hervorbrachte. Heutzutage ist den Papuanern bewußt geworden, daß sie unterdrückt, manipuliert, eingeschüchert werden und Opfer von Ungerechtigkeiten sind.

Neles Tebay sieht zwei tiefgehende Gründe für den Konflikt in Westpapua: (1) den Militarismus, der eine Gewaltkultur erzeugt, d.h. Gewalt wird als Lösung angesehen; und (2) die Verweigerung des Selbstbestimmungsrechts für die Papuaner. Die Papuaner haben verschiedene gewaltfreie Strategien angenommen, um diese Gründe zu beseitigen: Erstens, die Papuaner kämpfen für Demilitarisierung, indem sie die Menschenrechtsverletzungen in der Vergangenheit dokumentieren, Gerechtigkeit (durch UN-Untersuchungen) fordern und die indonesische Regierung drängen, ihre Truppen abzuziehen und kein Militär nach Art Ost-Timors aufzubauen. Zweitens, die Papuaner sind für ernsthaften Dialog und Mediation durch internationale und anerkannte Institutionen als Weg in die Zukunft. Drittens, West-Papua wurde zur Friedenszone erklärt. Viertens, wachsende Kooperation zwischen den verschiedenen Glaubensgemeinschaften hat den Kampf um Gerechtigkeit, Frieden und Menschenwürde verstärkt. Fünftens, der Stammesführerrat, die Studentenvereinigung und die Frauenvereinigung müssen ermächtigt werden. Sechstens, es ist notwendig, die tiefgehenden Gründe aufzudecken, die Menschenrechte unter den Papuanern zu fördern und Informationen über die Menschenrechtsverletzungen weltweit bekanntzumachen. Als letzter Punkt: die Papuaner brauchen die Hilfe vom Rest der Welt. Diese sollte eine Überprüfung der UN-Politik zum Recht auf Selbstbestimmung unterstützen und den Fall West-Papua auf der ganzen Welt zur Sprache bringen.

Als letzte erzählte Victoria Cáceres auf dieser Plenarversammlung die Geschichte ihrer Familie, die nach dem Militärputsch, der Augusto Pinochet 1973 an die Macht brachte, Chile verlassen hat. 1970 wurde die sozialistische Regierung des Salvador Allende mit einer klaren Mehrheit gewählt. Das Land war jedoch tief gespalten zwischen rechts, Mitte und links. Die Reformen der neuen Regierung - besonders die Privatisierung und die Agrarreform haben die Rechten aufgebracht, die mit der Armee in einer Einschüchterungskampagne zusammenarbeitete und die Arbeiter zum Streik aufwiegelte. Schließlich wurde die Allende-Regierung in einem von der CIA unterstützten Staatsstreich gestürzt. Der Staatsstreich war eine Tragödie für Chile und führte zu weitverbreiteter Folter, Verschwinden von Personen, Gefängnis und vor allem Exil. Die neue Wirtschaftspolitik des Pinochet-Regimes (auf der Basis der Theorien der Chicagoer Wirtschaftsschule) begünstigte die Reichen und war eine Last für die normalen Bürger. Victoria Cáceres ging schließlich ins Exil und zog nach Venezuela. Die Lebensbedingungen waren dort für sie und ihre Familie ganz gut. Mit der finanziellen Unterstützung verschiedener europäischer Organisationen gründeten sie und andere Exilanten FEDEFAM (Vereinigung festgenommener und verschwundener Familien), die versuchte, die Leute mehr auf das Schicksal der Festgenommenen und Verschwundenen aufmerksam zu machen. 1988 kam ein Referendum gegen Pinochets Diktatur und im Laufe der wachsenden Demokratisierung kehrte Victoria Cáceres nach Chile zurück.

Diese drei Geschichten erzeugten bei den Zuhörern zwei wichtige Reaktionen: Eine wurde von Koussetogue Koudé aus dem Tschad zum Ausdruck gebracht "Wie können wir soviel Schlechtes/Böses verstehen?" Er beantwortete seine Frage selbst, indem er sagte, daß der erste Schritt, den wir als Menschen hin zum Bösen tun, der schwierigste ist - was dann folgt, wird immer leichter. Wir müssen deshalb wachsam bleiben, damit wir ganz sicher nicht den ersten Schritt machen. Mehrere Sprecher betonten einen anderen Punkt: die Bedeutung des Einflusses von außen auf Konflikte, wie den in West-Papua oder Chile. Die US-Regierung und ihre westlichen Verbündeten haben diese Konflikte angefacht und unterstützt und ihre weltweite wirtschaftliche und politische Macht mit der "Globalisierung von Gewalt" erhalten. Außerdem haben so scheinbar harmlose Faktoren, wie Bildung, die Medien und sogar, was normale Leute in reichen Ländern essen, die Aufrechterhaltung der Konflikte beachtlich unterstützt. Diese Gefahren wurden seit dem 11. 9. akuter als zuvor. Jeder stimmte zu, daß Einzel- und Kollektivaktionen notwendig sind, um dagegen anzugehen.