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Überblick

von Irlands "Organisator und Gastgeber", Rob Fairmichael

Das Programm

Die Plenarversammlungen am Morgen begannen damit, daß jemand seine eigene persönliche Geschichte in 15 bis 20 Minuten erzählte. Das war immer ein sehr anregender Beginn für den Tag. Wir sehen uns alle schwierigen Kämpfen der unterschiedlichsten Art ausgesetzt; einige davon etwas weltlicher, einige gefährlicher und risikoreicher, einige abwechslungsreicher, aber alle repräsentieren den Kampf eines Individuums, sich selbst treu zu bleiben, Gewalt zu überwinden und Gewaltfreiheit zu leben. Siva Ramamoorthy's Weg von Gewaltfreiheit zu Gewalt und weiter zur Gewaltfreiheit in Sri Lanka war ein solcher Kampf; das Gewehr, von dem er dachte, daß es ihn befreien würde, wurde zur Last und Qual. Aber angesichts dieser Welt den Glauben zu bewahren, kann sehr schwierig sein. Ich hoffe, daß uns - während die Teilnehmer ihre uns interessant erscheinenden Geschichten erzählten - klar wurde, daß wir eigentlich alle eine solche Geschichte zu erzählen hätten, und zwar jeder Einzelne von uns. Das war auch Teil der Botschaft dieser Dreijahreskonferenz.

Den Kern der Dreijahreskonferenz bildeten die Themengruppen, an denen man an vier aufeinanderfolgenden Vormittagen teilnehmen konnte. Dort hatten die Leute wirklich eine Gelegenheit, eines der Themen ausführlich zu bearbeiten.

Nach dem Mittagessen konnte man an Workshops teilnehmen, die jeder veranstalten konnte; d.h. wer einen Workshop veranstalten wollte, veranstaltete ihn, und wer daran interessiert war, nahm daran teil. Das war ein wichtiges Gegengewicht zu dem Vormittagsprogramm, da es jedem die gleiche Chance gab. Ich durfte ein paar Leute aus ganz Irland speziell dazu einladen, solche Workshops zu leiten. Die Resonanz war wieder sehr unterschiedlich, aber ich hoffe, daß bei dem breiten Angebot für jeden etwas dabei war. Diese Workshops boten natürlich auch eine gute Gelegenheit für das Treffen spezialisierter Truppen, wie die Frauenarbeitsgruppe oder die Gewaltfreiheitstrainingsgruppe.

Die abendlichen Plenarversammlungen fanden nach dem Abendessen statt, zu einer Zeit da die Leute schon müde wurden. Aber sie boten für jeden eine Gelegenheit, ein paar Präsentationen zu sehen und an Plenardiskussionen teilzunehmen. Neben den unterschiedlichen Aspekten des Geschichtenerzählens und Strategisierens aus verschiedenen Kontinenten sprachen hier die Glencree-Leute über ihre hauptsächliche Arbeit mit Opfern und Kämpfern der Nordirland-Unruhen. Eine interessante Geschichte, die ich von Michael Randle in der Plenarversammlung am Abend hörte, war, wo das CND-Symbol herkommt (das auch in den Peace news (Culture and Resistance. PN 2448) in einem Stück von Andrew Rigby vorkommt) - verwendet diese Erklärung, wenn Euch wieder jemand bezichtigt, daß es ein "Zerbrochenes Kreuz" sei! Florencia Mallon machte eine wichtige Anmerkung zu der Respektierung von Geschichten, die nicht in die offiziellen Geschichtsbücher gelangen. Die Veränderungen seit dem 11. September 2001 wurden analysiert. Und es ist immer ein Privileg, die Geschichten über den Kampf der Leute direkt von ihnen zu hören - seien sie aus West-Papua, Vieques, Israel oder sonstwo her.

Soziales und Kulturprogramm

Es ist ein schwieriges Unterfangen, genug aber wiederum nicht zu viel an sozialem und kulturellem Programm zu arrangieren. Nach einem arbeitsreichen Tag, der mit Plenarversammlungen bis 21.30 h dauerte, ist 22 h eine realistische Anfangszeit für Soziales und Kulturelles. Das ist für viele Leute schon zu spät. Besonders für diejenigen, deren Muttersprache nicht Englisch war, war das Zuhören sehr ermüdend. Eine exzellente regionale Schauspielproduktion (The Day the Music Died von einer Schauspielgruppe aus Finglas) bot einen erstaunlich menschlichen, und manchmal humorvollen Blick auf ein folgenreiches Ereignis in den Unruhen in Nordirland, ohne von dem Ernst des Themas abzulenken. Sowohl das Stück als auch das Bühnenbild waren sehr beeindruckend. Mary Begley und Freunde waren auf eine andere Art auch sehr beeindruckend. Sie veranstalteten an mehreren Abenden Sessions mit traditioneller Musik (viele Teilnehmer trugen Lieder vor).

Mein Beitrag war Musik zu einem von mir produzierten und an alle verteilten Skript - musikalische Betrachtungen der irischen Geschichte und Kultur. In 22 oder 23 Stücken sollten in ein paar Stunden verschiedene Aspekte der irischen Geschichte und Kultur durchlaufen und eine Reihe irischer Musiker, Sänger und Gruppen vorgestellt werden, mit anderen Worten eine schnelle Einführung. Das editierte Skript wird auf die INNATE Website gestellt (siehe unter "Other Resources" auf der Homepage). Es waren 2 ½ Tausend Jahre irischer Geschichte und Kultur in 2 ½ Stunden.

Die Abschlußfeier konnte erst nach 22 h beginnen. Ich schlage vor, in Zukunft das "geschäftliche" Programm um 18 h zu beenden, damit die Leute danach noch ein bißchen Spaß haben können. Der irische Musiker, Tommy Sands, war großartig. Aber es war für manche Leute zu spät, um sich die Extempore-Aufführungen anzusehen oder mitzumachen. Auf eine solche Teilnahme hatten wir gehofft. Aber das alles hielt eingefleischte Nachteulen nicht davon ab, eine Trommelsession zu veranstalten, die bis beinahe 3 h morgens dauerte. - Ich war angenehm überrascht, daß die Sicherheitsleute von DCU das solange zuließen. Wir sind sicher mit einem Paukenschlag abgegangen.

Das Treffen mit alten Freunden und das Finden neuer Freunde ist ein wesentlicher Teil solcher Zusammekünfte, sowie das damit einhergehende Geschichtenerzählen. Wie konnte man sich nicht amüsieren, als Gernot Lennert "bewies", daß Irland eigentlich türkisch ist? Wer konnte sich dem Lachen über die Grotesken verschiedener Aufführungen - ob absichtlich humorvoll oder nicht - entziehen?

An dem freien Nachmittag gab es einen "Marktplatz", wo Ortsansässige verschiedene Ausflüge in die unterschiedlichen Richtungen um Dublin herum für die internationalen Teilnehmer anboten. Ich führte eine Gruppe von 20 oder mehr Personen durch das Zentrum von Dublin und erzählte ihnen die sozio-politischen Dinge sowie persönliche Anekdoten. (Allerdings vergaß ich ihnen davon zu erzählen, als das Auto, in dem wir saßen, vor dem Hauptpostamt "geschnappt" wurde - ein Auto der Spezialeinsatztruppe vor uns, eines hinter uns - nur weil wir gefährliche Abrüstungsgegner in einem "neutralen" Staat! waren.)

Aufenthalt in Gastfamilien

Ein entsprechendes Programm ermöglichte es den Teilnehmern der Dreijahreskonferenz, ein paar Tage bei irischen Gastgebern zu wohnen. Viele Leute wurden während der Dreijahreskonferenz oder danach entweder inoffiziell oder durch die WRI-Strukturen mit Unterkunft versorgt. Und trotz der verhältnismäßig kleinen Zahl der im voraus organisierten Aufenthalte in Gastfamilien halte ich es für wichtig, diese Möglichkeit anzubieten - sowohl für diejenigen, die sowas wollten sowie für diejenigen, die sonst niemanden getroffen hätten, der ihnen Unterkunft anbietet. Die Gelegenheit, bei Gastgebern zu wohnen, war ein wichtiger Bestandteil des Aufenthalts in Irland. Das möchte ich eigentlich auch bei zukünftigen Dreijahreskonferenzen sehen. Am Montag nach Ende der Dreijahreskonferenz hatten wir ein kleines aber nützliches Seminar in Belfast mit Teilnehmern aus vier Kontinenten.

Kleine Gruppen internationaler Teilnehmer reisten während der Konferenz, um örtliche Aktivisten zu besuchen oder an örtlichen Friedensveranstaltungen, z.B. am Hiroshima-Tag, teilzunehmen.

Geschäftstreffen

Geschäftstreffen waren das A und O der Dreijahreskonferenz. Eine der diskutierten Fragen war, ob das nächste Ratstreffen (jährliches Treffen) in Kolumbien stattfinden sollte oder ob es eine separate Konferenz sein sollte. Die Frage war eher, wie man mit der kolumbianischen Situation und den kolumbianischen Aktivisten umgehen, als ob das Treffen dort stattfinden soll (es wurde entschieden, das Ratstreffen 2003 dort stattfinden zu lassen). Eine weitere geschäftliche Angelegenheit forderte zum Engagement für den Jahrestag der Angriffe auf die USA, den 11. September, auf. Es kamen weniger Leute als erwartet, insgesamt ein paar Hundert. Hinsichtlich des Inhalts könnte man zu dem Schluß kommen, daß es zu viele Geschichten und zu wenige Strategien gab. Während die Teilnahme aus Irland geringer als von mir gewünscht war, hatte ich den Eindruck, daß diejenigen, die gekommen sind und sich engagiert haben, sehr viel davon hatten. Ich hoffe, daß INNATE in der Lage sein wird, mit den meisten dieser Leute Kontakt zu halten.

Wir wissen, daß Leute kommen wollten (d. h. Leute, zu denen wir Verbindung hatten), die kein Visum bekamen, z. B. Leute aus Kinshasa und Kongo. Die Vorschrift des Außenministeriums, daß Leute vorher schon einmal ins Ausland gereist (und wieder in ihr Heimatland zurückgekehrt) sein müssen, bevor sie ein Visum für Irland bekommen können, ist beleidigend und unlogisch - aber wir wußten auch, daß ein paar Leute sich nur anmelden wollten, um ins Land zu kommen. Wenn das Außenministerium die Verbindung der Antragsteller zu den entsprechenden Organisationen oder das Engagement auf dem gleichen Gebiet als Kriterium genommen hätte, hätten ihre Begründungen auf einem solideren Fundament gestanden.

Viele, viele großartige Leute waren dabei. Ich schließe in diesen Kreis die "Arbeiter" des Voluntary Service International (SCI) mit ein, die beeindruckend waren und eine ausgezeichnete Arbeit leisteten; ohne sie hätte die Logistik nicht funktioniert. Das gleiche gilt für die Übersetzer, die in dem Babel die Kommunikation ermöglichten. Das Tagesblatt brachte immer die neuesten Nachrichten über die Ereignisse des jeweiligen Tages. Normale Aktivisten und Einzelpersonen aus der ganzen Welt gaben oft gute Anregungen. Das WRI-Personal blieb während der ganzen Konferenz erstaunlich gelassen. Und nach allem, was gesagt und getan wurde, fühle ich mich doch sehr priviligiert, daß die Dreijahreskonferenz in Irland stattfand und ich an einer solch großartigen Veranstaltung teilhaben durfte.