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Fuer einen Ansatz kulturell achtsamer Friedensfoerderung in Afrika

Credit: ONADCredit: ONAD

Einleitung

Afrika wird von Leuten in aller Welt sehr unterschiedlich wahrgenommen. Einige sehen Afrika als den Hoffnungs-Kontinent, in dem gastfreundliche Menschen leben und in dem die Dinge flexibel und einfach sind und es einen Reichtum an natuerlichen Ressourcen gibt, - die meisten davon ungenutzt. Dann gibt es diejenigen, fuer die Afrika ein Erdteil der sinnlosen Konflikte, der Gewalt, der Armut, Unwissenheit usw. ist. In Wirklichkeit gibt es in Afrika sowohl Chancen als auch Herausforderungen.

Eine Moeglichkeit, in Afrika zu investieren, ist das Engagement im Bereich Friedensfoerderung, damit Konflikte und negative Beziehungen in Chancen fuer Frieden und Wohlstand umgewandelt werden koennen.

Der Begriff “Friedensfoerderung” wurde nach dem Bericht von UN Generalsekretaer Boutros Boutros Ghali “An agenda for Peace” bekannt. Boutros erklaerte den Begriff Friedensfoerderung (peacebuilding) in seinem Bericht als eine Reihe von Aktivitaeten, die darauf abzielen Strukturen aufzubauen, die Frieden staerken und festigen, um Rueckfaelle in Konflikte zu vermeiden, und er unterschied ihn von den Begriffen fuer Friedensschaffung (Peacemaking) und Friedenserhaltung (Peacekeeping).

Nichtsdestotrotz ist es nicht Boutros-Ghali gewesen, der diese Begriffe gepraegt hatte, sondern der Friedensforscher Johan Galtung, der sie, bereits 20 Jahre frueher, als “Friedensansaetze” bezeichnet hatte. Zusammengenommen formen Friedensschaffung, Friedenserhaltung und Friedensfoerderung ein allgemeines Konzept, wie Frieden erreicht oder erhalten werden kann. Miall et al (1999) schrieben dazu:

“In Hinblick auf das Konflikt-Dreieck kann gesagt werden, dass Friedensschaffung darauf abzielt, die Einstellungen der HauptakteurInnen zu aendern, Friedenserhaltung destruktives Verhalten einzudaemmen, und Friedensfoerdrung versucht, die Widersprueche zu ueberwinden, die den Konflikten zugrunde liegen.”

Es gibt viele Ansaetze und Methoden, Frieden zu foerdern, etwa durch Kunst und Musik, Dialog und Versoehnungsarbeit, Sport und gewaltfreie Erziehung. Jeder Ansatz hat seine Eigenheiten, Bedeutung und Herausforderungen. In “Peacebuilding” erklaert Lisa Schirch:

“Friedensfoerderung strebt danach, Gewalt in allen ihren Formen zu vermeiden, zu vermindern oder zu transformieren und Menschen bei der Heilung von Gewalt zu helfen, selbst wenn strukturelle Gewalt bis dahin noch nicht zu massiven zivilen Unruhen gefuehrt hat. Strategische Friedensfoerderung versteht die Komplexitaet der Aufgaben, die bewaeltigt werden muessen, um Frieden aufzubauen. Friedensfoerderung kann als strategisch bezeichnet werden, wenn Ressourcen, AkteurInnen und Ansaetze miteinander in Einklang gebracht werden, um die vielfaeltigen Ziele zu erreichen und die unterschiedlichen Probleme auf lange Sicht zu loesen. Deshalb braucht Friedensfoerderung auch vielfaeltige und gut miteinander abgestimmte Ansaetze, um Gewalt und Konflikt transformieren zu koennen in dauerhaft friedvolle Beziehungen und Strukturen. “

Nach unserer Erfahrung sind Friedensfoerderungsprojekte wirkungsvoller, wenn sie auf den sozio-kulturellen, wirtschaftlichen und politischen Kontext abgestimmt und an die Beduerfnisse der lokalen Bevoelkerung angepasst sind. Es gibt kein “Patentrezept” fuer afrikanische Probleme – schon allein deshalb nicht, weil jeder Kontext in Afrika einmalig ist, und weil es einer gruendlichen Analyse und eines tiefen Verstaendnisses der komplexen Kulturen, Werte, Normen und Traditionen jedes afrikanischen Kontextes bedarf, “afrikanische Loesungen fuer afrikanische Probleme” zu finden. Selbst im gleichen afrikanischen Land gibt es zahlreiche kulturelle Unterschiedlichkeiten: Was in der Gemeinschaft “A” wunderbar funktioniert, mag in Gemeinschaft “B” ueberhaupt nicht gehen. Zum Beispiel: In einigen Gemeinschaften im Suedsudan kann es als Ausdruck eines Liebesbeweises verstanden werden, wenn jemand seine Frau schlaegt, waehrend es in einer anderen Gemeinschaft Gewalt ist.

Deshalb ist es wichtig, regelmaessig Untersuchungen und Trainings durchzufuehren, und Erfahrungen miteinander zu teilen, um unser Verstaendnis der lokalen Kultur zu erweitern, damit ein kulturell achtsamer und stimmiger Friedensfoerderungsansatz entwickelt werden kann.

Friedensfoerderung ist nicht neu in Afrika. Die Geschichte lehrt uns, dass Afrika die Wiege der Menschheit ist, eine Behauptung, die vermuten laesst, dass seit vielen Jahrhunderten reiche und vielfaeltige einheimische Ressourcen und Institution fuer Konfliktbearbeitung und Friedensfoerderung vorhanden waren

Neu ist allenfalls der Export und das Aufdruecken von Friedensfoerderungs- und Entwicklungs-Interventionen, die auf dem liberalen Friedensprojekt beruhen. Friedensfoerderung ist heute Teil der Agenda internationaler Agenturen, und wird – in der Form der “Nachkriegs-Friedenskonsolidierung” auf der Basis des “liberalen Frieden”s projekts – zu einem Standardkonzept fuer internationale Kriege und Militaerinterventionen.

Nach Mark Duffield (2008) kombiniert und verschmilzt die Idee vom liberalen Frieden ‘liberal’ (verstanden im Sinne zeitgenoessicher wirtschaftlicher und politischer Lehrsaetze) mit “Frieden” (die derzeitige politische Neigung zu Konfliktloesung und gesellschaftlichem Wiederaufbau).

Diese Sichtweise geht von der Annahme aus, dass kriegsgeschuettelte Gesellschaften durch die Anwendung von miteinander kombinierten Transformations-Strategien wieder aufgebaut werden koennen und sollten. Das Hauptaugenmerk liegt hier auf Konfliktvorbeugung und –loesung sowie dem Aufbau von Institutionen, einschliesslich sogenannter demokratischer Wahlen, und der Staerkung von zivilgesellschaftlichen Organisationen.

Eine Uebersicht der vorhandenen Literatur zum Thema Friedensfoerderung in Afrika (Ali and Mathews 2004; Reychler 2001, Rupesinghe 1998) zeigt aber, dass die bisherigen Analysen auf Situationen nach bewaffneten Konflikten beschraenkt waren und sehr begrenzte und kurzfristige Vorgehensweisen fuer eine Rueckkehr zu Ordnung und Stabilitaet anbieten fuer Laender, diegewaltsame bewaffnete Konflikte erlebt haben. (David, 1988).

Warum Friedensfoerderung so wichtig ist

Seit dem Ende des Kalten Krieges hat Afrika viele gewaltsame Kriege und Konflikte durchlebt. Es gibt viele inter-ethnische und politische bewaffnete Konflikte im gegenwaertigen Afrika, bei denen es um politische und wirtschaftliche Macht geht. Laender, in denen langwaehrende Buergerkriege stattfanden, stehen oft vor Herausforderungen wie dem Umgang mit ehemaligen KaempferInnen, Milizen und bewaffneten ZivilistInnen. Bewaffneter Konflikt ist deshalb eines der Haupthindernisse fuer Frieden und Entwicklung, besonders in Laendern, die fragil sind und in Nachkriegssituationen.

Recht und Gesetz aufrecht zu erhalten, gute Regierungsfuehrung einzufuehren und fuer die allen zu gute kommende Verteilung von grundlegenden sozialen Diensten zu sorgen, ist ebenso schwierig. Die Folge ist fortgesetzte und weit verbreitete physische, psychische, kulturelle und strukturelle Gewalt.

Gewalt ist nicht auf ein Land, einen Kontinent, eine Region oder eine Religion begrenzt. Sie wird weltweit zur Erreichung von Zielen benutzt; manchmal durch nackte Aggression, manchmal aber auch subtil, in der Verkleidung von Gesetzesmacht und Legitimitaet als Mittel zur Aufrechterhaltung von Recht und Ordnung (2011). Fuer Frauen nimmt diese Gewalt viele Formen ein, einschliesslich Vergewaltigung, Zwangshausarbeit, ihre Frauen schlagende Ehemaenner, Festnahme, Verweigerung des Erbes fuer Witwen, und Ausschluss von wirtschaftlichen Gewinnen. Die Entfuehrung von Maedchen (“Maedchenentfuehrung zu Heiratszwecken”) wird in vielen afrikanischen Laendern als legitime kulturelle Praxis betrachtet. Friedenfoerdernde Interventionen muessen ein sicheres und verlaessliches Umfeld aufbauen, in dem Menschen ihr Glueck ohne Angst suchen koennen.

Unsere These ist also: Friedensfoerderung ist noetig. Aber nicht, indem abstrakte Rezepte importiert werden, die mit dem liberalen Friedens-Paradigma daher kommen. Die Herausforderungen, mit denen sich Afrika durch den Import und das Aufpfrophen von Friedens-und Entwicklungs-Interventionen konfrontiert sieht, sind nur aufzufangen durch den Aufbau von Kompetenzen vor Ort, Gutachten, Forschungen oder Studien durchzufuehren und den lokalen und internationalen Friedensaktiven ebenso wie den PolitikentscheiderInnen relevante Empfehlungen fuer ein verbessertes Engagement zu geben.

Zu Friedensfoerderung gehoert der Aufbau demokratischer Strukturen durch BuergerInnenbeteiligung und die Teilhabe anderer Interessengruppen an Demokratisierungsprozessen, ohne die Frieden bedeutungslos waere. Gleichwertige Verteilung von Ressourcen ist ebenso bedeutsam. In vielen afrikanischen Laendern gibt es erhebliche Schwierigkeiten, wenn es darum geht, die faire Verteilung von Ressourcen mit den Ausgabenprioritaeten in Einklang zu bringen. Wirtschaftswachstum und Einkommen durch Oel und anderen natuerlichen Ressoucen werden nicht der Bekaempfung von Armut zugefuehrt.

Dadurch entsteht eine Situation, in der der ungeduldigen und verarmten Zivilbevoelkerung kaum einmal von den Gewinne profitieren, und so kommen sie nicht umhin, die Bedeutung des Friedens in Frage zu stellen. Nach unserer Erfahrung denken viele Menschen, dass Frieden die Abwesenheit von Gewalt und die Aufrechterhaltung von Gesetz und Ordnung bedeutet. Aber es sind ja nicht nur Gewehre, die toeten. Mangelnder Zugang zu Lebensgrundlagen, zu Wuerde und zum Geniessen von Rechten kann ebenso zerstoererisch wirken wie Waffengewalt. Wirkliche Friedensfoerderung ist kein Ziel an sich – sondern eher ein Weg zu einem sicheren und wohlversorgten Zustand, in dem jede Person Grundrechte und ein Leben in Wuerde geniesst. Darum ist es so wichtig, strukturelle Gewalt zu bekaempfen und grundlegende Staatsreformen zu gestalten, in denen gleichberechtiger Zugang zu sozialer Versorgung fuer alle, ohne Unterschied, geschaffen wird, wenn wir ein Afrika aufbauen wollen, das fuer alle sicher ist.

Welche Rolle den Friedensengagierten zukommt

Viele Aktive arbeiten an Friedensfoerderung in Afrika. Im Zentrum ihrer Organisationen stehen soziale und Friedens-Bewegungen, die mit WRI, IFOR, COPA (Koalition fuer Frieden in Afrika) und anderen regionalen Bewegungen verbunden sind. Das African Centre for Constructive Resolution of Dispute “ACCORD” (afrikanisches Zentrum fuer Konstruktive Streitbeilegung) in Durban hat Bueros in anderen Laendern, und es gibt auf Frauenthemen gerichtete Gruppen einschliesslich Women Action Network for Peace (WANEP, Frauennetzwerk fuer Frieden) und Women Peacemakers Program (WPP, FrauenFriedensstifterInnen-Programm).

Gleichzeitig lehren uns neuere Untersuchungen zu Friedensfoerderungsstrategien und –wirkungen, dass trotz der wichtigen Rolle der Zivilgesellschaft beim Aufbau von Frieden, staatliche AkteurInnen (mit ihren viel groesseren Ressoucen) keinesfalls vernachlaessigt werden duerfen, und dass Frieden am besten gefoerdert werden kann, wenn die verschiedenen AkteurInnen es schaffen zusammen zu arbeiten. Deshalb spielen die regionalen Koerperschaften und ihrer Unter-Organisationen, wie die Afrikanische Union (AU), Intergovernmental Authority on Development(IGAD, zwischenstaatliche Entwicklungs-Behoerde der ost-afrikanischen Regierungen), Economic Community Of West African States (ECOWAS, die Wirtschaftsgemeinschaft der Westafrikanischen Staaten), und Southern African Development Community (SADC, die suedafrikanische Entwicklungsgemeinschaft), eine so bedeutsame Rolle.

Obwohl die regionalen Unter-Organisationen einst geschaffen wurden, um den soziooekonomischen Wohlstand der Region zu foerdern, sind sie nun dazu gekommen, groessere Rollen in der Friedensfoerderung zu spielen, die Eingangstore zu wirtschaftlicher Entwicklung bietet.

Weiterhin ist, besonders vonseiten der internationalen Geber und Agenturen, eine Ueberbetonung einiger Aktivitaetsbereiche und eine Vernachleassigung von anderen zu verzeichnen, was weitreichende Konsequenzen hat. Ein Beispiel aus einer anderen Region ist der Balkan, wo in der Zeit nach den Kriegen in den 1990ern alle von “Versoehnung” sprachen und dafuer bezahlten, waehrend das Fehlen von angemessener Ausbildung und Berufsperspektiven dazu fuehrte, dass eine ganze Generation Jugendlicher keinerlei Perspektive hatte, was sie denn mit ihrem Leben anfangen sollten.

Schlussfolgerun

Die Themengruppe wird mit einer interaktiven Sitzung starten zum Thema: “Was verstehen wir unter Friedensfoerderung? Eine Einfuehrung zur Bedeutung von Friedensfoerderung allgemein und auf dem afrikanischen Kontinent im Besonderen.

Am zweiten Tag werden wir uns das Beispiel Suedsudan anschauen und verschiedene Ansaetze eines weiten Spektrums von AkteurInnen diskutieren: Zivilgesellschaftliche Gruppen, die daran arbeiten, die Einstellungen der Bevoelkerung zu aendern, die Rolle (oder nicht) der Zivilgesellschaft in Friedensverhandlungen, bevorzugte Herangehensweisen der internationalen Gemeinschaft wie Reformen der Sicherheitskraefte und Staatsaufbau, werden uns Sicherheits-Probleme anschauen, denen ZivilistInnen ausgesetzt sind, einschliesslich der Rolle von UNMISS (Mission der Vereinten Nationen im Suedsudan) und den Ansatze der unbewaffneten zivilen Friedenserhalt, den die internationale Nichtregierungs-Organisation verfolgt, sowie wirtschaftliche, gender- und andere Fragen aufwerfen.

Mit Hilfe von Ressourcenpersonen aus anderen Laendern werden wir uns die Herausforderungen und Probleme der Friedensfoerderung in anderen Laendern in Afrika und daruberhinaus ansehen.

Am letzten Tag, dem 4ten, werden wir versuchen, Lehren aus den Fallstudien zu ziehen und Fragen der Friedensfoerderung in Zusammenhang mit Gewaltfreiheit und den Beitraegen internationaler Solidaritaet und Unterstuetzung diskutieren. Die Schluesselfrage wird sein: Wie koennen wir besser zusammenarbeiten?

Moses Monday John

Übersetzung: Anne M Dietrich