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Die Militarisierung der Jugend und was man dagegen tun kann

Die Bilder von Krieg, bewaffneten Konflikten und organisierter Gewalt auf der ganzen Welt können unterschiedliche Formen annehmen. Aber eines haben sie fast immer gemeinsam: junge Männer und Frauen, die die Reihen der militärischen und paramilitärischen Organisationen füllen.

Sowohl in den Ländern, in denen es immer noch die Wehrpflicht gibt, als auch in den Ländern mit professionellen Armeen, fördern Regierungen, Bildungssysteme, das Militär selbst und sogar private Firmen und Organisationen militaristische Werte, um die Reihen der Streitkräfte aufzufüllen und die Anwendung organisierter Gewalt gesellschaftlich zu legitimieren.

Soldat, der in einer Schule in Israel unterrichtet. Dank an: New ProfileSoldat, der in einer Schule in Israel unterrichtet. Dank an: New Profile

Selbst wenn die Wehrpflicht durch das Gesetz abgesetzt wird, bemüht man sich in Gesellschaften mit Wehrpflicht sehr stark, die Jugend zu militarisieren. In Israel beispielsweise konzentrieren sich die Bemühungen zum großen Teil auf Schulen. Soldaten gehen in den Klassenzimmern ein und aus und erklären Einheiten und Positionen; Lehrer werden nach der Einschreibungsrate ihrer Studenten bewertet; Schulleiter machen Werbung für ihre Schule, indem sie die hohe Anzahl von Kampfsoldaten oder Offizieren bekanntmachen, die an den Schulen einen Abschluss gemacht haben; und Bildungsminister erklären unverblümt, dass die Vorbereitung auf den Militärdienst eines der Ziele des Bildungssystems ist. Laut einer in 32 Ländern (mit Wehrpflicht und professionellen Armeen) durch WRI durchgeführte Umfrage besteht in 18 der Länder eine offizielle Zusammenarbeit zwischen dem Bildungsministerium und dem Militär, und in der Mehrzahl der Länder ohne Pflichtwehrdienst führt das Militär offen Rekrutierungen in Schulen durch. Aber die Militarisierung der Jugend beginnt und endet nicht innerhalb des Bildungssystems.

Während immer mehr Länder auf der Welt die Wehrpflicht abschaffen und zu einer professionellen Armee übergeben, gibt es viele andere mehr oder weniger offizielle Wege, die Jugend ohne die durch das Gesetz zwingende Wehrpflicht zu militarisieren.

Während die meisten Jugendlichen auf der ganzen Welt noch nie mit einem Gewehr geschossen haben: wie viele von uns haben in einem Computerspiel geschossen und jemanden getötet? Während die meisten Jugendlichen auf der Welt wohl niemals eine Uniform tragen werden: wie viele von uns haben Tarnkleidung als eine weitere Art von Mode getragen? Wie viele von uns spielten mit Spielzeugpistolen? Das Militär findet auch immer mehr Wege, um für Jugendliche attraktiv zu sein, nicht nur durch die traditionellen gewalttätig-militaristischen Werte. Sie versprechen Abenteuer, das Aufrechterhalten demokratischer Werte und sogar Geschlechtergleichheit und schließlich persönlichen Profit, sei es durch Unterstützen der Ausbildung oder das Versprechen einer langjährigen Karriere. In der durch die WIR durchgeführten Umfrage zur Militarisierung der Jugend stellte sich heraus, dass in 30 von 32 untersuchten Ländern die Idee, dass Militär zu zukünftiger Anstellung oder Studienmöglichkeiten führt, eine der stärksten Verkaufsstrategien des Militärs ist, sowohl des Militärs mit Wehrpflicht als auch des professionellen Militärs. Auch wenn viele dieser Versprechen auf Lügen basieren, scheint dieses rhetorische Abzielen auf Jugendliche (besonders in unterpriviligierten Gruppen der verschiedenen Gesellschaften), die noch keine feste Meinungen bilden oder unterschiedliche Sichtweisen untersuchen können, zu funktionieren. Junge Männer und Frauen verpflichten sich aufgrund dieser falschen Versprechen und der gesellschaftlichen Werte, die sie dazu drängen.

Aber die Militarisierung der Jugend ist nicht nur für das Militär reserviert. Das gilt auch für Länder, in denen starke paramilitärische Gruppen operieren. Ein Beispiel: In Kenia, das als Land ohne Wehrpflicht betrachtet wird, nimmt die Militarisierung total andere Formen an, für die der gemeinsame Nenner die falsche Vorstellung ist, dass die Anwendung von Gewalt für eine wirksame Herrschaft und Kontrolle notwendig ist. Es wurde schon früher festgestellt, dass eine solche Vorstellung die Voraussetzung für Militarisierung ist. Die Existenz derselben geht zu Lasten des Rechtsstaatsprinzips und der Demokratie sowie der Realisierung von Menschenrechten. Wie am Beispiel Kenia beobachtet, werden die Architekten der Militarisierung nicht immer vom Staat eingesetzt. Es gibt Beispiele, wo der Staat „nicht aktiv“ ist. Das macht Platz für die Militarisierung durch Gruppen wie die Mungiki1 und ähnlichen Milizen in den informalen Siedlungen in Kenia.

Ähnliche Situationen beobachtet man in vielen Sektoren, die als unorganisiert erachtet werden, mit Lücken wie dem öffentlichen Verkehr, Sicherheit und Sozialdienste, wo diese Gruppen ursprünglich diese Lücken aufspüren, aber schließlich zu Milizen und gefürchteten Terrorgruppen werden, die Geld von den Einwohnern erpressen im Namen der Sicherheit/des Schutzes, für Müllentsorgung usw. Die Herausforderung ist jedoch die Tatsache, dass Militarisierung nicht nur die politischen und Rechtssysteme beeinflusst, sondern auch das gesellschaftliche Verhalten. Häufige Drohungen und Belästigungen sind deshalb Symptome des Zusammenbruchs der sozialen Beziehungen sowie der Institutionen von Rechtsstaatlichkeit und Demokratie. Unter diesen Umständen gehen mit den obengenannten Bedrohungen außergerichtliche Tötungen, jegliche Art von physischen Belästigungen und andere Laster einher.

Was können wir also dagegen tun?

Viele antimilitaristische Aktivisten auf der ganzen Welt finden unterschiedliche Wege, etwas gegen die Militarisierung der Jugend zu tun. Je kreativer wir dabei sind, desto größer wird unser Einfluss sein.

Dank an: Michael Schulze von Glaßer: Ein Junge, der während des Gamescom-Videospiele-Festivals im August 2012 in Köln mit Pseudo-Soldaten posiert.Dank an: Michael Schulze von Glaßer: Ein Junge, der während des Gamescom-Videospiele-Festivals im August 2012 in Köln mit Pseudo-Soldaten posiert.

Das Hauptaugenmerk vieler Gruppen lag auf der Arbeit auf Schul-, Kommunal- und Regionalebenen, um militärfreie Bildung zu fordern; andere Gruppen arbeiteten daran, Computerspiele zu entwerfen und zu ändern. Einige Aktivisten konzentrieren sich darauf, alternative Räume zu schaffen, in die Jugendliche sich zurückziehen können und die es ihnen ermöglichen, die Richtung zu kritisieren und anzugehen, in die ihre Gesellschaft sie zwingt. Und einige konzentrieren sich darauf, den Jugendlichen durch Gewaltfreiheitstrainings einen alternativen Weg zu zeigen, auf die täglichen Situationen zu reagieren, in denen sonst Gewalt der Standard sein könnte. Einige Gruppen konzentrieren sich auf die Verwendung militaristischer Symbole und Soldaten in der Werbung, und andere darauf, die wirklichen Bedingungen des Soldatenlebens vorzustellen als Gegensatz zu den in den militärischen Anzeigen gezeigten Bedingungen. Ein internationaler Aktionstag für militärfreie Bildung, der dieses Jahr auf eine Woche ausgedehnt wird, war für viele dieser Initiativen eine Gelegenheit, sich zu treffen.

Wie in vielen anderen Ländern haben die meisten jungen Leute, auf die die Militarisierung z. B. in Kenia abzielt, geringe Bildung. Architekten der Militarisierung nutzen diese durch den Mangel an grundlegender Bildung und konfrontieren die jungen Leute ständig damit, dass Dinge auf andere Art und mit anderen Mitteln gemacht werden können. So locken sie die jungen Leute in das System. Dieses wird dann zu dem Einzigen, was sie kennen, und die meisten bleiben dabei, wenn sie nicht umkehren oder weggehen. Eine Methode, gegen Militarisierung anzugehen, ist es, den Zugang zur grundlegenden Bildung anzubieten oder zu sichern. Bildung und die damit verbundene Wirkung stellt jungen Menschen Alternativen vor und bessere Lebensmöglichkeiten für einen nicht militarisierten Lebensweg. Beratung, Mentorschaft und Begleitung durch informelle aber maßgeschneiderte Dialogprozesse können auch wichtige Rollen beim Abbau der alten Militarisierungsgedanken spielen. Die kenianische Verfassung von 2010 gibt den Bürgern Raum, an der Regierung teilzuhaben, und ist eine Alternative, um junge Leute mit anderen Mitteln am Aufbau der Nation zu beteiligen. Bürgerbeteiligungsforen sind jetzt schon seit einiger Zeit ein alternativer Weg, um sicherzustellen, dass junge Menschen in kommunale und nationale Prozesse miteinbezogen werden. Sie zielen darauf ab, dass die jungen Menschen zur Entwicklung, zu Frieden und Versöhnung und Regierung beitragen und somit langsam aber ständig ein Teil des essentiellen Entscheidungsfindungsprozesses werden. Das erweist sich als alternativer Weg, um sicherzustellen, dass junge Menschen sich konstruktiv am Aufbau der Nation engagieren anstatt Teil der Militarisierungsaktivitäten zu sein.

Durch Hervorheben der Auswirkungen, die Militarisierung auf die Jugend, auf Frauen, auf die Armen, die Ungebildeten, di LGBTQ-Community (Lesben, Schwule, Bisexuelle, Transsexuelle, Intersexuelle) und andere Randgesellschaften hat – entweder als Zielgruppe für das Rekrutieren durch das Militär oder als Ziel für Gewalt in ihrer eigenen Gesellschaft aufgrund militaristischer Werte, können wir versuchen, gegen dies alles etwas zu tun.

Sahar Vardi und Dola Nicholas Oluoch

1 Mungiki ist ein Kikuyu (größter Stamm in Kenia); das bedeutet wörtlich “ein vereintes Volk” oder „Vielzahl“ oder „Menge“. Diese Gruppe besteht hauptsächlich aus jungen Leuten. Mungiki wirkt sehr umfangreich in der informalen Siedlung in Nairobi im Wesentlichen durch Bilden einer Straßengang oder eines kriminellen Netzwerks, welche zu einer durch einen Zustand ständiger Sicherheitskrisen geplagten Umgebung beiträgt und von derselben profitiert. Man sagt, dass sie ursprünglich die Verwestlichung und alles, was ihrer Meinung nach dazu gehört, einschließlich Christentum, ablehnten und die afrikanische Kultur praktizieren wollten.

Übersetzung: Inge Dreger