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Diego Garcia Militär-Basis

von Alain Ah-Vee

Als das britische Empire zusammenbrach, dehnten sich die USA in Teile desselben aus. Als USA-UK in den 1960er Jahren entschieden, eine massive Militärbasis auf eine der Inseln im Indischen Ozean, die Mauritius ausmachen, zu bauen, d. h. auf der Insel Diego Garcia, begingen sie zur Umsetzung dieser Entscheidung eine Anzahl von Verbrechen.

Die UK-US-Verbrechen

Zuerst mußte die britische Regierung die Chagos-Inseln, einschließlich Diego Garcia, von der Gesamtheit der Inseln des Staates Mauritius stehlen. Dies geschah auf dem Weg zur Mauritischen Unabhängigkeit im Jahre 1968. Sie stahlen diese hinter dem Rücken des britischen Parlaments, indem sie auf ein veraltetes Königliches Vorrecht, einen "Beschluss im Rat" zurückgriffen. Das war die Labour-Regierung von Harold Wilson. Er verletzte die UN-Resolution 1514, die klar besagt, dass "jeglicher Versuch, die nationale Einheit und die territorale Integrität eines Landes teilweise oder ganz zu zerrütten, mit den Zielen und Grundsätzen der Charta der UN unvereinbar sind". Mehr noch: UN-Mitgliedstaaten hatten Wind von dem Komplott zur Zerteilung von Mauritius bekommen und für die Resolution 2066 gestimmt, die Großbritannien aufrief, "keine Aktionen zu unternehmen, die das Gebiet von Mauritius zerteilen und dessen territorale Integrität verletzen würde". Die UN-Resolution 2066 verbot diese Landnahme.

Sobald Großbritannien die Inseln gestohlen und eine neue Kolonie names British Indian Ocean Territories (BIOT) ersonnen hatte (BIOT umfaßte auch ein paar gestohlene Seychellen Inseln, die die Regierung der Seychellen später, als Albert Rene an die Macht kam, zurückforderte und bekam), machte Großbritannien zusammen mit den USA mit dem zweiten Verbrechen weiter.

Sie entfernten die gesamte Bevölkerung der dort lebenden chagossianischen Mauritianer.

Sie jagten sie mit Betrug, Einschüchterung, Drohungen, Terror und schließlich brutaler Gewalt aus ihren Häusern. Ihre Hunde wurden zusammengetrieben und vor ihren Augen und den Augen ihrer Kinder getötet. Die US-UK erfanden eine unverfrorene Lüge – sie behaupteten, niemand lebte da. Und sie wußten, dass es eine unverfrorene Lüge war. Das wurde alles in Einzelheiten dokumentiert, besonders seit Ende der 1990er Jahre, als die 30 Jahre des "Official Secret's Act" ausliefen und schriftliche Beweise verfügbar waren – Beweise der gewaltsamen Entfernungen, der entsprechenden Konspiration, der bewußten Erfindung von Lügen, zusammen mit den rassistischen Bemerkungen, die mit solcher Gewalt einhergehen. In dem Urteil im Jahre 2000 in dem Fall des chagossianischen Führers Olivier Bancoults gegen den britischen Staat verurteilt des Oberste Gericht Großbritanniens diese Konspiration. Sie zitieren sogar die Notiz eines Beamten, die besagte "Leider gehen mit den "Birds" auch ein paar Tarzane oder Freitage, deren Ursprung obskur ist und die wir hoffnungsvoll nach Mauritius wünschen."

Drittens: die USA, die Empfänger der gestohlenen Inseln, machte weiter, indem sie Beton und Tarmac auf das wunderschönste Korallenriff der Welt, ein hufeisenförmiges Paar Inseln, genannt Diego Garcia, schütteten. Sie zerstörten das gesamte Ökosystem. Jetzt gibt es dort unter dem Meer verstärkte Betonbunker, Barracken für tausende von Streitkräften, Clubs für die unterschiedlichen auf der Basis vorhandenen Ränge (Dienstgrade): die hochrangigen Oberen, die nächsthöheren für Offiziere, dann für die Ränge der normalen Soldaten und Seeleute, und schließlich die niedrigsten hauptsächlich Arbeiter bis zu Krankenschwestern, die hauptsächlich von den Philippinen und Mauritius kommen. Es gibt auch einen riesige Rollbahn, von der B-52-Maschinen losdonnerten, um Afghanistan und Irak zu bombadieren. Es gibt einen schmutzigen Hafen, wo Flugzeugträger anlegen. Das Schiff, das für das Bedienen von Atomunterseebooten, die nach Demonstrationen aus Italien weggeschickt wurden, zuständig ist, liegt jetzt hier. Das widerspricht dem "Treaty for a Nuclear Arms Free Africa" (Abkommen für ein nuklearwaffenfreies Afrika), dem Pelindaba-Abkommen, das 2010 in Kraft trat.

Wenn eine B-52 von Diego Garcia abhebt und eine Hochzeitsgesellschaft bombadiert und damit eine ganze Großfamilie mit Freunden tötet, so ist das ein weiteres Verbrechen. In den letzten Jahren während des sogenannten Kriegs gegen Terrorismus benutzten die USA und Großbritannien Diego Garcia für illegale Inhaftierung von Gefangenen zum Zwecke der Folter.
Und obgleich jetzt ein Großteil der Geschichte bekannt ist, kennt die Geschichte des Widerstandes der Leute von Chagos und Mauritius kaum jemand.
 
Widerstand

Seit der Zeit der gewaltsamen Räumung gab es spontane Rebellionen. Und als das letzte Schiff, die Nordvaer, 200 Chagossianer zu den Port Louis-Docks in Mauritius brachten, gab es Sitzblockaden in den Docks. Chagossianer, auch die Führerin Aurelie Talate, die im Januar 2012 starb, weigerten sich, den Hafen zu verlassen.

Die Chagossianer sahen sich bald einer schwierigen städtischen Umgebung ausgesetzt und gesellten sich zu der Masse arbeitsloser Mauritianer, schlugen sich nach gewalttätigen kommunalen Konflikten, die Hunderte Tote hervorbrachten, so durch. Manche hatten eine Familie, andere wurden von den Armen aufgenommen.

Schon bald organisierten sie sich. Die Organization Fraternel, eine soziale Bewegung, half bei der Organisation von Zusammenkünften, Hungerstreiks und Kerzenlichtwachen in Wohnbezirken wie Bain des Dames. Was diese Proteste charakterisierte: sie waren Proteste der Frauen. Viele der Männer waren zu deprimiert durch die Erniedrigung durch die Vertreibung, um aktiv zu werden. Aber die Mütter waren "Mütter Courages". Weibliche Mitglieder von LALIT und eines unserer eigenen Mitglieder, die Medizinerin ist, wurden bald in die Hungerstreikbewegungen einbezogen und schlossen sich der Mobilisierung an.

In der Zwischenzeit stand die mauritanische Arbeiterklasse in zwei großen Bewegungen auf, an denen viele Chagossianer (die begonnen hatten, in den Docks und den Gemeindeverwaltungen zu arbeiten, und in Gewerkschaften eintraten) teilnahmen. Das wurde als der "Streik August '79" und die "September '80 Massenbewegung" bekannt, die beide riesige, beinahe aufständlichere, hoch organisierte Bewegungen waren.

Nach dieser Erfahrung organisierten 1981 in Port Louis chagossianische Frauen zusammen mit LALIT-Frauen drei Tage lang Straßendemonstrationen, um acht chagossianische Frauen im Hungerstreik im Jardin de la Compagnie, im Freien, im Zentrum von Port Louis, gegenüber der British High Commission zu unterstützen. Hunderte von Frauen mit Plakaten nahmen an den Demonstrationen teil und liefen durch die Hauptstraßen, riefen Slogans so laut sie konnten. Am dritten Tag saßen sie alle vor der britischen Botschaft und blockierten die Straße. Sie gewannen eine Konfrontation mit der Bereitschaftspolizei, aber 8 Frauen wurden verhaftet, darunter die chagossianische Führerin, Chalesia Alexis, und die LALIT-Mitglieder, Ragini Kistnasamy und Linsey Collen. Das war eine Wendepunkt. Von da an wußte jeder in Mauritius von dem Problem. Es war vor diesem Wendepunkt schwierig, die Öffentlichkeit darauf aufmerksam zu machen.

Dann griff der mauritianische Staat ein und forderte – zusammen mit den Chagossianern – Entschädigung von Großbritannien und bekam sie auch. Jeder Chagossianer bekam ein Haus.

Seitdem hatte der Kampf viele Phasen; manchmal ruhte er, dann erwachte er wieder. Mitte der 1990er Jahre wurde die Rann Nu Diego Common Front durch LALIT und die Chagos Flüchtlingsgruppe gegründet; Greenpeace stimmte zu, uns in einem ihrer Boote nach Diego Garcia zu bringen, aber das klappte nicht. Olivier Bancoults Gerichtsverfahren setzte dieses Thema auf die Agenda. Aber seit 1999 ist dieser Fall bis zu einem gewissen Grad in die Gesetzlichkeitsfalle gefallen und hat Demobilisierung verursacht. Jetzt wurde beim europäischen Menschenrechtsgerichtshof eine Beschwerde eingereicht, die dieser gnadenlos verschoben hat. Seit 2004 wurde LALIT von No Bases unterstützt, einem internationalen Netzwerk gegen Militärbasen, das von uns eingerichtet wurde. Letztes Jahr hat die mauritische Regierung unter Druck von LALIT unter der UN-Konvention zum Seerecht eine Klage gegen Großbritannien eingereicht. Dieser Fall zeigt den UK-Komplott, ein durch die Marine geschütztes Gebiet in Chagos einzurichten, auf einem Gebiet, das ihnen nicht gehört, um die Rückkehr der Chagossianer zu verhindern. Wikileaks-Dokumente belegten dieses verborgene Motiv. Mittlerweile waren viele Umweltorganisationen, sogar Greenpeace, in die von Großbritannien gestellte Falle getappt.
 
Schlussfolgerung

Lassen Sie uns Schlüsse ziehen, indem wir uns die Grundsätze anschauen, die uns bei LALIT durch diese Kämpfe geleitet haben. Der erste Grundsatz war, die drei Hauptthemen zusammen zu artikulieren und nicht in Einzelfall-Fallen zu treten oder einen Kampf gegen den anderen verhandeln zu lassen. Die drei strittigen Themen sind:

  • die US-Militärbasis zu schließen. Sie ist die Quelle allen Leidens und bleibt eine Gefahr für die Menschheit.
  • Mauritius wiederzuvereinen, sein Land, seine Leute, und somit die Entkolonisierung komplett zu machen.
  • das Recht auf Rückkehr und voller Entschädigung für alle Chagossianer zu fordern.

 
Das erste Prinzip bringt uns natürliche Verbündete. Die gesamte Antikriegsbewegung in Opposition zu Militärbasen, antikoloniale Kräfte, die vollständige Entkolonisierung wollen, Menschenrechtsorganisationen, Öko- und Umweltorganisationen, die gegen die Zerstörung der Ökosysteme mobilisieren – das alles sind natürliche Verbündete. Die weltweite Frauenbewegung wird natürlich eine Verbündete der mutigen Kämpfe der Frauen sein. Organisationen, die Gefangene und deren Familien vereinen, sind natürliche Verbündete gegen die Vertreibung, die auf Diego Garcia passierte. Die Leute in den UK und US sind Verbündete gegen ihre eigenen Regierungen, wenn sie realisieren, welche Verbrechen in ihrem Namen begangen wurden.

Das zweite Prinzip ist, dass wir im Kampf um Freiheit von Herrschaft durch Weltreiche und für Frieden für alle verstehen müssen, dass Militärbasen, und Kriegsmaschinerien im allgemeinen, zu einem bestimmten Zweck existieren. Und wir müssen diesen Zweck verstehen. Wenn die US sagen, dass sie "ihre Interessen schützen", wissen wir und müssen wir wissen, dass damit nicht das Interesse ihrer Einwohner gemeint ist, sondern das Interesse der führenden Klassen. Damit ist der Kampf auch ein Kampf gegen die Klassenregierung, die Herrschaft einer besitzenden und kontrollierenden Klasse. Und das ist wirklich ein internationaler Kampf, obgleich einer ohne Nachbarschaftswurzeln wo immer auch Militärbasen sind.

Das dritte Prinzip ist, dass wir uns der Konsequenzen bewußt sein müssen, wenn wir das Schließen einer Militärbasis fordern. Wir müssen gleichzeitig auch Beschäftigung für alle fordern, die auf der Basis arbeiteten. Wir müssen sicher gehen, dass die Basis nicht einfach nur verlegt wird. Und wir müssen eine Reinigung der Umwelt fordern.

Bei LALIT ehren wir in diesem Kampf die Beharrlichkeit der Leute von Chagos, die so loyal ihren Kampf um Würde und Freiheit für alle fortgeführt haben.