Editorial

Der 15. Mai ist der Internationale Tag der Kriegsdienstverweigerung. Diese Ausgabe des Zerbrochenen Gewehrs gibt eine Einführung der WRI in das Thema für 2008: KDV für BerufssoldatInnen und Strategien gegen militärische Rekrutierung. Beide Themen stehen in engem Zusammenhang: mit dem Trend zur Abschaffung der Wehrpflicht benötigen zumindest die Militärs des Westens in wachsendem Maße professionelle, "freiwillige" SoldatInnen. Um die Rekrutierungsziele zu erreichen, muss das Militär seinen "Job" mehr bewerben als in der Vergangenheit: in Schulen, auf Jobmessen, in Arbeitsämtern und allgemein im öffentlichen Raum. Es mag paradox klingen: die Abschaffung der Wehrpflicht führt zu einer Militarisierung aller Aspekte des Lebens im Namen der Rekrutierung.

Keine Überraschung also, dass das Militär nicht immer die Wahrheit sagt, wenn es zur Rekrutierung kommt. Kriege und die Aussicht, in einem Krieg zu sterben oder andere zu töten, verkaufen sich nicht so gut und werden im allgemeinen zu einem Problem, wenn Militärs BerufssoldatInnen zu rekrutieren versuchen.

Aufgrund von Lügen unterzeichnen Menschen Verträge, die sich sehr von normalen Arbeitsverträgen unterscheiden. Du kannst nicht aussteigen, wenn du es willst. KDV wird daher ebenso für BerufssoldatInnen gebraucht wie für Wehrpflichtige, aber nur sehr wenige Länder erkennen dieses Recht an. Sie argumentieren, dass niemand gezwungen wird, dazuzustoßen, also warum sollten sie das Recht auf KDV haben?

Es ist von Bedeutung für uns als KriegsgegnerInnen diejenigen zu unterstützen, die von ihrem Gewissen her gegen den Krieg sind, auch wenn sie freiwillig zum Militär gegangen sind. Es ist daher wichtig, dass wir tatkräftig unsere Unterstützung anbieten.

Andreas Speck