Geschichte des Internationalen Tages zur Kriegsdienstverweigerung

Rudi Friedrich

Der Internationale Tag der Kriegsdienstverweigerung ist eng verwoben mit dem Internationalen Treffen der Kriegsdienstverweigerung (ICOM). Das wurde von 1981 bis 1997 alljährlich von Gruppen organisiert, die in der War Resisters' International (WRI) vertreten sind. Es hatte in dieser Zeit z.B. in den Niederlanden, Spanien, Frankreich, Slowenien, Österreich, Ungarn, Türkei, Kolumbien und Tschad stattgefunden. Ging es in den ersten Jahren vor allen Dingen um den Austausch von Ideen und die internationale Vernetzung der aktiven Kriegsdienstverweigerer, so kam mit der Zeit eine zusätzliche Funktion hinzu. In Ländern, in denen die Situation für Kriegsdienstverweigerer äußerst prekär war (und teilweise auch noch ist), führte die internationale Präsenz von Aktiven zu einer Stärkung der im Land lebenden Kriegsdienstverweigerer und deren Initia-tiven. Es wurde nicht nur die Strategie der Kriegsdienstverweigerung weiter entwickelt, sondern auch ganz praktisch die Bedeutung der Gruppe im Land selbst erhöht. Bedauer-licherweise hat in den letzten Jahren kein solches Treffen mehr stattgefunden.

Das ICOM, an dem regelmäßig etwa 100 Personen aus über 20 Ländern teilgenommen hatten, bildet den Hintergrund des Internationalen Tages der Kriegsdienstverweigerung. Erstmals wurde auf dem ICOM 1985 beschlossen, den 15. Mai dafür auszuwählen und einen gemeinsamen Schwerpunkt zum Thema zu machen. Auf internationaler Ebene sollte damit auf die prekäre Situation von Kriegsdienstver-weigerern in bestimmten Ländern oder auf thematische Zusammenhänge hingewiesen werden. So gab es Schwerpunktländer wie Griechenland (1986), Jugoslawien (1987), Polen (1988), Südafrika (1989), Spanien (1990), Türkei (1992), ehemaliges Jugoslawien (1993), Kolumbien (1995). Es gab ebenso inhaltliche Schwerpunkte: Dienstverpflichtungen von Frauen (1991) sowie Asyl für Frauen und Männer, die den Kriegsdienst verweigert haben oder von der Armee desertiert sind (1993). 2001 wurde vom Ratstreffen der War Resisters' International der Schwerpunkt auf die Situation von Kriegsdienstverweigerern und Deserteuren in Angola gelegt. Im Jahr 2002 auf Kriegsdienstverweigerung auf dem Balkan.

Obwohl das ICOM schon seit mehreren Jahren nicht mehr durchgeführt wurde, so hat sich der gemeinsame Aktionstag am 15. Mai durchgesetzt. An vielen Orten beziehen sich Gruppen in ihrer Arbeit zur Kriegsdienstverweigerung darauf. Veranstaltungen, Mahn-wachen, Demonstrationen, Aktionen, Seminare, Kampagnen und vieles andere mehr findet gleichzeitig an vielen verschiedenen Orten auf internationaler Ebene statt. Auch wenn die Gruppen diesen Tag inzwischen für das je eigene Thema rund um die Kriegsdienstverwei-gerung nutzen und es nur noch in Ansätzen einen gemeinsamen inhaltlichen Schwerpunkt gibt, so ist es doch ein Tag, an dem offen wird, dass die Frage der Kriegsdienstverweigerung keine nationale, sondern eine internationale Frage ist und dass in der Vernetzung der Gruppen auf internationaler Ebene eine besondere Stärke der Kriegsdienstverweigerungs-bewegung liegt.
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