Bildung und Gewaltfreiheit

Credit: Stephan Brües: A school tour in Germany with and about Nonviolent Peaceforce membersCredit: Stephan Brües: A school tour in Germany with and about Nonviolent Peaceforce members

Wir streben nach einer gewaltfreien Gesellschaft, aber wir haben sie noch nicht erreicht. Wenn wir darüber nachdenken, wie wir die ganze Gesellschaft verändern, müssen wir auch über Bildung nachdenken, weil Bildung, sowohl formale als auch nicht-formale, ist ein Weg der Sozialisation darstellt, ein Weg, wie sich eine Gesellschaft herausbildet. Nachdenken über Gewaltfreiheit und Bildung bedeutet, dass wir beides definieren müssen wie auch ihre Beziehung zueinander. Gewaltfreiheit (prinzipiell oder pragmatisch) bedeutet die Minimierung von Gewalt (physische, psychische, strukturelle, kulturelle), sie bedeutet, kohärent zu sein oder respektvolle Beziehungen zwischen Einzelnen in der Gesellschaft zu entwickeln. Bildung bedeutet Kenntnisse, Fähigkeiten und Fertigkeiten zu schaffen sowie Persönlichkeit oder auch respektvollen Umgang unter den Einzelnen in der Gesellschaft zu entwickeln. Daher impliziert Gewaltfreiheit bereits Bildung und Bildung impliziert - umgekehrt - bereits Gewaltlosigkeit.Aber das ist eine Idee, es ist noch nicht Realität. In der Tat erleben wir noch eine wirklich gewalttätige Gesellschaft und eine gewalttätige Erziehung. Wie kommen wir von der gewalttätigen zur gewaltfreien Bildung? Es gibt verschiedene Antworten auf diese Frage wie es verschiedene Aspekte der Bildung gibt. In der modernen Gesellschaft bestehen verschiedene Bildungseinrichtungen. Es gibt die formale Bildung (geplant und zertifiziert, z.B. Schulen) und die nicht-formale Bildung (weniger strukturiert als formal, strukturierter als informell, z.B. WRI-Konferenz, Themengruppe, Workshop). Da unser gewalttätiges Gesellschaftssystem zu oft in unserem Schulsystem repliziert wird, müssen wir hinterfragen, wie wir auf einem formalen Weg lernen, sowie wertschätzen, wie wir auf einem nicht-formalen Weg lernen.

Es gibt verschiedene Stufen mit unterschiedlichen Fächern im Bildungswesen. Aber Gewaltfreiheit bezieht sich auf alle Stufen, von der Primarstufe über die Sekundarstufe bis zum tertiären Bildungsbereich. Und sie ist von Bedeutung für viele Fächer von Kunst über Politik, Geographie und Geschichte bis zu Sprachen.

Einige Schulen sind öffentlich, während andere privat sind. Einerseits sind die öffentlichen Schulen kostenlos, doch oft von militaristischen Regierungen beeinflusst; andererseits fordern private Schulen Gebühren, doch vielleicht von einem pazifistischen Träger bestimmt.Es gibt Pflicht- und freiwillige Schulen. Einerseits zwingen Pflichtschulen einen in ihr System, andererseits gewährleisten sie Bildung für alle.

Also müssen wir über diese Aspekte der Bildungseinrichtungen sprechen und vielleicht streiten. Wollen wir die Schulpflicht abschaffen? Oder sind wir in der Lage, Gelegenheiten und Umgebungen anzubieten um Gewaltfreiheit im öffentlichen Bildungswesen zu lernen? Was können Verwaltungen, Eltern, Schüler_innen oder Lehrer_innen tun, um die formale Bildung zu verändern? Welche Rechte und Pflichten haben sie? Dies führt uns zu den Aspekten der Lehrpläne, von denen es so viele wie Institutionen gibt. Während wir die Beziehung zwischen Gewaltfreiheit und Bildungseinrichtungen als "gewaltfreie Erziehung" sehen, sehen wir den Zusammenhang zwischen Gewaltfreiheit und Lehrplänen als "Gewaltfreiheits-Bildung". Gewaltfreiheit ist nicht nur eine Form des Lernens, sondern sie bezieht sich auch auf den Inhalt des Lernens.

Was müssen wir lernen, wenn wir lernen wollen, eine wirklich gewaltfreie Gesellschaft zu schaffen? Wie jede Gesellschaft hat auch eine gewaltfreie Gesellschaft mindestens zwei, wenn nicht drei Ebenen. Auf der Mikro-Ebene haben wir die persönliche Gewaltfreiheit lernen. Dies beinhaltet spezifische Einstellungen, Wahrnehmungen, Kommunikationsstile und Verhaltensweisen. Ein gutes Beispiel für die Gewaltfreiheits-Bildung auf der Mikro-Ebene ist die Peer-Mediation unter Jugendlichen in der Schule. Auf der Meso-Ebene müssen wir soziale Gewaltlosigkeit lernen. Diese befasst sich mit Diskriminierung und fördert den Respekt zwischen lokalen Gruppen, seien es ethnische, sprachliche oder religiöse Gruppen. Zum Beispiel lokale oder regionale Versöhnung in Post-Konflikt-Situationen können als Gewaltfreiheits-Bildung auf der Meso-Ebene gesehen werden. Schließlich müssen wir auf der Makro-Ebene politische Gewaltfreiheit lernen. Das bedeutet, wir müssen intra- und internationale Konflikte einschließlich Kriege analysieren und ihre zivile gewaltfreie Lösung entwickeln wie in der politischen Bildung in den Schulen. Obwohl diese Ideen global oder universell zu sein scheinen, gibt es regionale oder lokale Unterschiede der Gewaltfreiheits-Bildung, weil es Unterschiede zwischen den einzelnen Ländern gibt wie, sagen wir, Burundi und Deutschland.

Wir schlagen vor, die Themengruppe "Gewaltfreiheit und Bildung" auf die Curricula formaler Bildung (Primar- und Sekundarstufe) zu konzentrieren, weil wir davon ausgehen, dass die Themengruppe "Gegen die Militarisierung der Jugend" sich mit Einrichtungen formaler Bildung befasst, während die Themengruppe "Gewaltfreies Training" sich mit Curricula nicht-formaler Bildung befasst und die Themengruppe "Peace-Building" mit Einrichtungen nicht-formaler Bildung.

Wir schlagen vor, am Tag (1) sich gegenseitig kennen zu lernen, unsere Interessen, unsere Erwartungen und unsere Fragen zu Bildung und Gewaltfreiheit. Vielleicht können wir das im Gespräch mit einer Lehrer_in und zwei Schüler_innen tun. Am Tag (2) wollen wir auf formale Bildung und Gewalt(freiheit) auf Mikro-Ebene sehen sowie deren Probleme wie strukturelle Gewalt der Bildungseinrichtungen selbst. Am Tag (3) würden wir gerne über formale Bildung und Gewalt(freiheit) auf Makro-Ebene sprechen sowie deren Probleme, einschließlich politischer Einflussnahme und Prinzipien der politischen Bildung (wie Kontroversitätsgebot und keine Indoktrinationsverbot) in öffentlichen Schulen. Und am Tag (4) werden wir Möglichkeiten der transnationalen Zusammenarbeit zur Gewaltfreiheits-Bildung besprechen und unseren Bericht für den „Markt“ vorbereiten.

Die Ziele und Grundsätze sowohl der Bildungseinrichtungen als auch der Lehrpläne sollten sein, Freiheit und Gleichheit oder Demokratie einfach so weit wie möglich voranzubringen. "So weit wie möglich" deutet an, dass dort einige Probleme oder Konflikte bestehen, weil die meisten Schüler_innen noch in der Entwicklung sind, noch nicht voll entwickelte Persönlichkeiten wie die meisten Eltern und Lehrer_innen. Es wird nie einen endgültigen Zustand der gewaltfreien Erziehung geben, wie Gewaltfreiheit selbst wird gewaltfreie Erziehung immer ein Prozess bleiben.

Elavie Ndura und Kai-Uwe Dosch