Arbeitsgruppen

Etwa 40 Arbeitsgruppen wurden während der fünf Tage der offenen Konferenz abgehalten. Eine vollständige Liste der Arbeitsgruppen und ihrer Teilnehmer ist auf der WRI-Webseite zu finden.

Individuelle Berichte aus Arbeitsgruppen

Afrika-Arbeitsgruppe

Matt Meyer eröffnete das Treffen, indem er die Geschichte der WRI AWG diskutierte, mit ihren Ursprüngen beim Dreijahrestreffen von Brasilien. Er erklärte den Prozeß, durch den vorbereitende Kontakte eingerichtet wurden, sowohl in französisch- wie in englischsprachigen Ländern, und hob die Schwierigkeiten bei der Schaffung und Aufrechterhaltung von Kontakten hervor.

Bericht über Südafrika: Südafrika heute, rief Farid Esack aus, "ist im Schlamassel". Eine Folge des bewaffneten Kampfes ist die Entwertung des Lebens, die Entmenschlichung der Gesellschaft. Im Nach-Apartheid-Südafrika kann ein Mensch für eine Zigarettenschachtel getötet werden. Auf der anderen Seite ist Südafrika ein erstaunliches Land -- das einzige Land, das freiwillig seine eigene Atombewaffnung zerstört hat, das einzige Land, in dem Friedensaktivisten regelmäßige Treffen und offene Foren mit dem Verteidigungsminister abhalten, wo die Regierung den Wandel der Geschlechterverhältnisse unterstützt. Es gibt ein ernsthaftes Problem mit Waffenproduktion und -verkäufen -- die Spielzeuge für die Jungs, aus denen die bewaffnete Macht besteht -- aber es gibt Anstrengungen, nach der Nutzung alternativer Methoden zu suchen, und die Waffenindustrie steht jedes Jahr vor ernsten wirtschaftlichen Einschnitten. Diese Aspekte des neuen Südafrika helfen dabei, den breiteren Kampf für Vermenschlichung zu fördern.

Die Kommission für die Gleichberechtigung der Geschlechter mit Farid an der Spitze ist ein Teil dieses breiteren Humanisierungsprojektes. Obwohl sie im allgemeinen mit der Regierung zusammenarbeitet, hat die Kommission die Macht, Ermittlungen anzustellen, Vorladungen auszusprechebn, Dokumente zu suchen und zu beschlagnahmen - einschließlich in Büros und bei Beamten der Regierung.

Bericht über den Tschad: Koude begann mit der Diskussion der 30 Jahre Bürgerkrieg, die der Tschad erlebt. "Noch heute", stellte er fest, "leben wir in einer Kultur der Gewalt." Trotz der Tatsache, daß Gewaltfreiheit sehr schwer zu erreichen ist, schlägt die tschadische Zivilgesellschft (einschließlich "Tchad Nonviolence" (TNV) und viele andere Gruppen) vor, das Tragen von Waffen in der gesamten Gesellschaft des Tschad zu verbieten. "Es gibt so viele Gewehre, Messer und traditionelle Waffen, leicht artet jeder Kampf in Gewalt aus."

Seit 1990 ist der Tschad offiziell in einem Prozeß der Demokratisierung, aber die meisten zivilen Organisationen glauben nicht, daß das wirklich ist, es sind bloß Worte von oben. Anfang 1993 wurden nach einer nationalen Konfernz der Zivilgesellschaft Forderungen nach Lehrplänen über Friedenserziehung und Menschenrechte aufgestellt. Da die Regierung dem jedoch nicht entsprach, haben TNV und andere Gruppen angefangen, diese Arbeit auf freiwilliger Basis zu machen.

Beim Abschlußplenum der Dreijahreskonferenz hob Koude die Bedeutung einer Verbindung der WRI nach Afrika hervor. "Diese Konferenz hat einen wirklichen Rahmen für Austausch geboten", sagte er. "Im Tschad von heute gibt es nur zwei Wege, um berühmt zu werden: entweder Kriegsheld zu werden oder sich an der Antipolitik der leeren Worte zu beteiligen. Die Zeit ist gekommen, dem ein Halt entgegenzusetzen. Wir beginnen vielleicht mit einer kleinen Saat, aber diese Saat wird wachsen. Wir müssen weiter zusammenarbeiten, so daß wir den Gewinn aus dieser Saat ernten können."

Weitere Arbeit der WRI in Afrika: Michel Monod berichtete über seine Arbeit mit Gruppen in Kongo-Brazzaville, wo er sehr kurz vorher (Jan. 1997) hingereist war. Es war eine Spannungszeit wegen der Wahlen, da in großen Mengen Waffen ins Land gebracht wurden. Michel leitete einen kleinen Arbeitskreis in Gewaltfreiheit und übermittelte einen Gruß vom Präsidenten der Congo Nonviolence Association.

Bindi erwähnte, daß sie gerade von einer Arbeit in Niger gekommen sei und unter der Schirmherrschaft von Care zweitägige Konfliktlösungstrainigs geleitet habe.

Zukünftige Arbeit: Gruppenmitglieder leiteten ein Brainstorming über zwei Hauptarbeitsgebiete: Veröffentlichungen/ Bildung und Konferenzen/ Aktionsunterstützung. Bei der Publikations- und Bildungsarbeit wurde beschlossen, daß Mitglieder da, wo es paßt, Artikel in nationalen und regionalen Organen unterbringen, die sich an afrikanische Gemeinschaften im Ausland richten.

Bericht von Matt Meyer. Eine längere Fassung auf der WRI-Webseite.

Algerien-Arbeitskreis

(Exzerpt aus dem Bericht über die Afrika-AG von Matt Meyer)

Ein spzieller Arbeitskreis unter der Leitung von Maurice Montet (UPF, Frankreich) auf der Konferenz befaßte sich mit den harten Bedingungen für Rekrutierte und Deserteure in Algerien. Kampagnen für Asyl sind in verschiedenen Ländern entwickelt worden, mit Einsatz von WRI-Mitgliedern in manchen Fällen.

Man einigte sich auf die folgenden Vorschläge:

Maurice, René Burget und UPF werden als Sammelpunkt für Informationen über den Status von Algeriern im Ausland dienen, ebenso wie für nationale Politik zum Thema Asyl und die Behandlung von algerischen Deserteuren;

René, Jan und Rudi Friedrich (Connection e. V., Deutschland) werden eine Broschüre zusammenstellen, in der sie diese Information verwerten; interessierte WRI-Mitglieder sollten gesammelte Daten bis Ende Januar 1999 an UPF liefern;

Der Internationale Tag der Kriegsdienstverweigerer 1999 (15. Mai) sollte sich auf die Themen mit Bezug auf die algerische Lage konzentrieren, und

Artikel für Peace News und verschiedene Publikationen sollten vorbereitet werden.

Training in Gewaltlosigkeit und Erziehung

Moderation: Patricio Vejar, Chile

Patricio führte uns in eine Übung ein, die in seinem Land angwandt wurde, um Menschen während der Diktatur in die Lage zu versetzen, trotz ihrer Ängste zu handeln. Er bat uns, an eine Zeit zu denken, als wir viel Angst hatten. Ohne Worte sollten wir unsere Angst durch die Lage unseres Körpers ausdrücken. Dann teilte er uns in Paare ein. Wir wurden gebeten, zu versuchen, die Angst der anderen Person zu beseitigen, während wir noch unsere eigene Angst fühlten. Dann ließ der Moderator uns zu viert zusammensetzen und dann mit der ganzen Gruppe in Kontakt treten. Die meisten hatten das Gefühl, daß es schwierig sei, die eigene Furcht beizubehalten, während man in Kontakt mit anderen war, besonders mit der ganzen Gruppe, in der jeder sich um den anderen kümmerte.

Nach der Übung hatten wir eine wirkliche Gelegenheit, jemanden zu unterstützen, der große Angst verspürte, als ein Teilnehmer plötzlich zur Gruppe hinzustieß und erzählte, wie Mitglieder seiner Organisation Todesdrohungen erhalten hatten, nachdem ein irreführender Artikel über sie in einer Lokalzeitung in der Krajina erschienen war, wo sie bei der Hilfe für (bosnisch-kroatische und kroatisch-serbische) Flüchtlinge arbeiteten. Als Gruppe waren wir in der Lge, diesem Teilnehmer aktiv zuzuhören, Ideen, Erfahrungen und Hilfen auszutauschen, und am Ende machten wir einen liebevollen und unterstützenden Kreis um ihn.

Bericht von Vivien Sharples. Längere Fassung auf der WRI-Webseite.

Geschlecht und Körpersprache

Moderation: Imke Kreusel, Deutschland

Wir bildeten kleine Gruppen von drei oder vier Personen und hatten drei Minuten, um drei Situationen zu schaffen, die klischeehafte männliche/ weibliche Körpersprache portraitieren sollten. Dann stellten wir die Situation als lebendes Bild (keine Bewegung oder Sprache) der Gruppe vor, die erraten sollte, welche Charaktere männlich und welche weiblich sein sollten und, wie jeder Charakter wohl fühle. Diese Technik führte sehr schnell zu viel Lachen und Diskussion und ist ein großartiges Werkzeug, das auch bei anderen Arten von Gegenständen angewandt werden könnte. Es ist lustig, bringt alle dazu, mitzumachen und kann zu intereressanten Einsichten führen. Die Moderatorin zeigte uns Fotos, die ohne Wissen der Betroffenen auf einem Bahnhof aufgenommen worden waren, und die konsequente Geschlechtsunterschiede in der Körpersprache zeigten.

Die Schlußfolgerung war, daß unsere Körpersprache unsere Gefühle berührt und daher unser Verhalten und umgekehrt, daher ist ein Weg, uns zu ändern, der, bewußt unsere Körpersprache zu ändern, was zu anderen Gefühlen führen kann. Zum Beispiel, wenn man bei großen Treffen reden will, ist es schwierig, den Mut dazu zu finden, wenn man seinen Körper in einer zusammgezogenen und Armesünderhaltung hält. Wenn man eine offene und aufrechte Haltung einnimmt, entsteht Raum für mehr Zutrauen, und die Stimme kann lauter werden. Imke berichtete uns, europäische Studien hätten gezeigt, daß die Körpersprache im Alter von 15 bis 25 Jahren am meisten dazu neigt, mit Geschlechtsklischees übereinzustimmen, wenn die Menschen versuchen zu zeigen, daß sie ein "richtiger" Mann oder eine "richtige" Frau sind.

Bericht von Vivien Sharples. Längere Fassung auf der WRI-Webseite.

Der Organisationskreis: Eine Methode für Gruppenarbeit

Moderation: Andreas Speck und Silke Kreusel, Deutschland

Der Organisationskreis ist eine strukturierte Methode, die von deutschen Aktivisten entwickelt wurde, um Aktivisten zu helfen, ihre Arbeit so zu planen, daß oft übersehene Aspekte aktiv in Betracht gezogen werden. Er benennt Stadien, die durchzuarbeiten sind: Anfang, Analyse, Ziel, Strategie, Entwicklung von Aktivitäten, Verwirklichung von Aktivitäten und Auswertung. Diese Stadien werden in einem Gitter angeordnet, mit den einzelnen Stationen obenan und einer Liste der weiteren Aspekte auf der anderen Achse: Gruppenmitglieder, Gruppenwerte und -prinzipien, Ressourcen, Struktur und Prozeß, Problem und Lösung, Kommunikation und Umwelt. Die Gruppe füllt dann systematisch das Gitter aus. Z. B., wenn eine Gruppe damit anfängt, ihren Beginn zu klären, ist die Frage der Mittel wichtig: "Welche Mittel haben wir?" (z.B. Zeit, Geld, Räume, Materialien, Kontakte, Technologie, Freiwillige u.s.w.) Auf der Ebene der Ziele sollten die persönlichen Ziele der Gruppenmitglieder bekanntgemacht werden, und während der Entwicklung der Strategie muß eine Gruppe die Frage beantworten, welche Zielgruppe oder Wahlkreis sie mit ihrem Projekt erreichen will.

Wir versuchten einige Teile des Kreises und verwendeten dafür eine Situation, die den Organistoren der 3-Jahreskonferenz wirklich begegnet, nämlich die Verweigerung von Visa und die Zurückweisung von Personen an Staatsgrenzen. Ich fand, es war ein hilfreiches Werkzeug, obwohl es mir so vorkam, daß es ein wenig zwanghaft sein kann, das ganze Gitter ausfüllen zu wollen, weil das wirklich viel Zeit erfordern würde. Aber die meisten Gruppen, mit denen ich gearbeitet habe, verwenden nicht genug von dieser Art bewußter Planung und Strategie oder machen es nicht gut genug, weil es so schwierig ist, daher gefiel es mir sehr, diesen Weg kennenzulernen.

Bericht von Vivien Sharples. Längere Fassung auf der WRI-Webseite. Mehr Information über den Organisationskreis erhältlich von patchwork@oln.apc.org.

Psychosoziale Wirkungen zwangsweisen Militärdienstes

Moderation: Rosella Baronti, Psychologin aus Chile

Zehn Teilnehmer waren in diesem Arbeitskreis, der die Wirkungen des zwangsweisen Militärdienstes sowohl auf Individuen wie auf die Gesellschaft, in der sie leben, analysierte und reflektierte.

Eines der Hauptpunkte, die hervorgehoben werden müssen, war die Rolle, die die militärische Ausbildung spielt, entweder bei der Bestätigung oder bei dem Aufbau von Formen sozialer Indoktrination, die bereits von anderen Institutionen begonnen worden sind. Militärische Ausbildung erlegt dem Ausdruck und der Organisation des "psychologischen Systems" des Individuums Bedingungen auf. Es macht die Individuen zu einem Objekt, konditioniert hin zu mechanischem Lernen, zum Annehmen ohne Einwände, und sorgt eher für übliche als für vielfältige Antworten. Das alles kommt hinzu zu einer Mischung, die Disziplin, Leugnung des Individuellen, Ritualisierung und andere Aktionen einschließt, die den Zwek haben, eine Unterwerfung unter die Macht zu erreichen.

In der anschließenden Diskussion war offensichtlich, daß das Gewahrwerden der Rolle des Militärs eine Funktion der persönlich-geschichtlichen Erfahrung eines Individuums ist, insbesoindere die Beziehung zwischen Zivilisten und "ihrem" Millitär. Einige Teilnehmer aus den Ländern Ex-Jugoslawiens hatten eine andere Perspektive - nicht offen ausgedrückt, aber in anderer Weise offensichtlich - die die Eigenheiten und Folgen militärischen Trainings geringer einschätzte. Das kommt wahrscheinlich aus der noch frischen Kriegserfahrung: ihre Armeen werden oft als Verbündete gesehen, die sie vor äußeren Aggressionen schützen.

Themen wie "Friedensarmeen", "Aktionen für die Integration des Kontinents", "Festigung der zivil-militärischen Beziehung" etc. sind seit kurzem in vielen Ländern in die öffentliche Debatte eingeführt worden. Das macht es für uns oft schwierig, die Debatte wieder in die grundsätzlichere Frage hineinzubringen, warum Armeen in erster Linie existieren.

Spanische Fassung: Rosella Baronti.