Editorial

Die Internationale der Kriegsdienstgegner (WRI) entstand in Europa. Und dort hat sie den größten Teil ihrer Mitglieder und Unterstützer. Das spiegelt sich deutlich in ihrer Funktionsweise und auch in den behandelten Themen wider. Gleichzeitig sind die europäischen Gruppen zusammen mit der Liga der Kriegsdienstgegner (WRL) in den Vereinigten Staaten diejenigen, die die größte Identifikation mit der Internationalen haben. Im Laufe der Jahre hat die WRI versucht – wie ihr Name das sagt – wirklich international zu sein und Gruppen aufzunehmen und Hilfsaktivitäten oder solche gemeinsam mit Organisationen in anderen Regionen des Planeten durchzuführen. Das deutlichste Beispiel dieser Bemühung ist Lateinamerika, wo es eine Unzahl von Bemühungen gegeben hat, die WRI in dieser Region stärker zu verankern, sowie diese zu veranlassen, auch eine aktive Rolle in der Internationalen zu spielen. Beispiele wie die Dreijahreskonferenz in Brasilien (1994) oder die Bemühungen von Juan de Wandelaer als Koordinator für die Region sind Zeichen dafür.

In den letzten Jahren hat die WRI eine bedeutende Menge von Gruppen dem Netz eingegliedert, da man im Büro auf Personen zurückgreifen konnte, die aus der Region stammen, Personen, die im Exekutivkomitee tätig waren und im Rat der WRI, und es hat eine bedeutsame Bemühung gegeben, die größtmögliche Anzahl von Materialien in spanischer Sprache herauszugeben, angesichts der Tatsache, dass das Englische die herrschende Sprache ist und in der WRI beinahe aussschließlich. Nun: Warum existiert weiterhin die Wahrnehmung, dass die WRI etwas Fernes ist und nicht unsere eigene Sache? Das muss damit zusammenhängen, dass die WRI organisatorisch weiterhin von Europa und den USA dominiert wird, was sich in ihren Strukturen und in der Art widerspiegelt, wie Antimilitarismus und Gewaltfreiheit bearbeitet werden. Aber in der Tat sind die Tore der WRI deutlich offen für einen größeren lateinamerikanischen Einfluss in der Organisation. Die Herausforderung geht dahin, eine eigene Identität der WRI für Lateinamerika zu bauen, mit den Themen, die uns interessieren, den Arbeitsformen, und uns auf der menschlichen Ebene mit denjenigen in Verbindung zu setzen, mit denen wir uns gut fühlen. Dafür müssen wir zuerst die Arbeit unter antimilitaristischen Gruppen in der Region stärken, wo keine wirkliche Artikulation und Klarheit existiert, wie wir ausgehend von unserer eigenen Verschiedenheit arbeiten sollen.

Das ist anscheinend ein langsamer Prozess und mit vielen Schlaglöchern, diese Ausgabe des Zerbrochenen Gewehrs ist eine Bemühung, einige dieser Schlaglöcher auszufüllen, und es war die gemeinsame Bemühung von Gruppen und Personen, diese Identität aufzubauen und die gemeinsame Arbeit weiter zu stärken.

Javier Gárate

Deutsch von Gerd Büntzly