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Frauen gegen Krieg

Friedenspreis der War Resisters League

Seit 1958 zeichnet die US-Sektion der Internationalen der Kriegsgegner, die War Resisters League, eine Person oder eine Organisation mit dem Friedenspreis der War Resisters League aus, deren Arbeit die radikale Aktionsplattform der War Resisters League repräsentiert. Unter den Empfängern dieses Preises waren der Friedensagitator A. J. Muste, der Menschenrechtsaktivist Bayard Rustin, die Feministin und pazifizistische Theoretikerin Barbara Deming, der Gründer der Plowshares-Bewegung Daniel Berrigan, Golfkrieggegner und viele andere. Der Friedenspreis 2006 geht an Frauen gegen Krieg innerhalb der US-Armee.

Anita Cole

Ende November 2001 wurde Anita Cole als Kriegsdienstverweigerin aus der US-Armee entlassen.

Bevor ich in die Armee eintrat, dachte ich wie so viele andere Leute. Im großen und ganzen hielt ich Mord für falsch, aber ich dachte, zu manchen Zeiten, wie im Krieg, sei das Töten unvermeidbar und sogar gerechtfertigt.

Ich habe eine starke innere Überzeugung. Meine Eltern erzogen mich in dem Glauben, daß der Dienst an der Gesellschaft - durch freiwillige Zeit und Spenden - ein moralisches Muß sei. Seit meiner Kindheit war ich immer dankbar, eine amerikanische Bürgerin zu sein, und war der Meinung, daß jeder seinem oder ihrem Land dienen sollte. Die Streitkräfte erschienen mir als bedeutungsvolle gemeinsame öffentliche Aufgabe. Weder wurde ich durch die Rückzahlung von Collegeschulden oder andere finanziellen Anreize dazu motiviert, der Armee beizutreten, noch erhielt ich solche Zahlungen. Als ich mich einschrieb, erfüllte mich meine Verpflichtung, meinem Land zu dienen, voller Stolz und Zufriedenheit.

Während des Grundwehrdienstes schockierte es mich, daß das Training mit dem Bajonett zusammen mit dem Mantra "Was läßt das Gras wachsen? Blut, Blut, Blut läßt das Gras wachsen."durchgeführt wurde. Aber sogar dann dachte ich, wenn ich in den Krieg geschickt würde, würde ich mir auch den Kampfgeist zu eigen machen.

Im August des Jahres 2000 wurde ich zum Schießstand geschickt, um mich an der mir zugeteilten Waffe, einer M-16A2, zu qualifizieren. Als ich eine tödliche Waffe auf eine menschliche Silhouette abfeuerte, war ich voller Qual und traumatisiert. Ein Sergeant, der meine offensichtliche Qual sah, versuchte mich zu ermutigen und sagte "Come on, you're a killer!" (Na mach schon, Du bist ein Killer!) Zu der Zeit war ich so aufgewühlt, daß ich mich nicht qualifizieren konnte.

Ich redete mir selbst ein, daß ich nur "Löcher ins Papier schießen würde". Diese bewußte Selbsttäuschung ermöglichte es mir, mich zu qualifizieren. Die Worte des Sergeanten, "Come on, you're a killer!, verfolgen mich seither ständig. In meinem Kopf verstärkte dieser Kommentar die Ablehnung, meine Pflicht als Soldatin zu tun.

Mein Gewissen, nachfolgende Meditation, Lesen und Selbstbeobachtung haben mich gezwungen, mir selbst gerecht zu werden. Ich werde nicht in irgendeiner Art Frieden leben können, wenn ich töte, andere töten lasse oder jegliche Tötungshandlung in meinen Gedanken oder in meiner Art zu leben unterstütze .... Anders ausgedrückt, ich bin eine Verweigerin aus Gewissensgründen im ursprünglichen Sinne.

Diedra Cobb

Eine afroamerikanische Armeeveteranin, die als Kriegsdienstverweigerin anerkannt werden möchte.

"Ich trat der Armee bei mit dem Gedanken, daß ich dadurch einige der stärksten Ideale für das größte, stärkste Land auf dieser Erde hochhalten könnte. Loyalität, Pflichtbewußtsein, Respekt, selbstloser Dienst, Ehre, Integrität und persönlicher Mut - das sind die sieben Werte der Armee, Werte, von denen ich sagen wollte, daß ich sie verinnerlicht hätte ... Irgendetwas Gutes mußte doch am Ende aus diesem Gemetzel herauskommen. Aber genau da dachte ich falsch: im Krieg gibt es kein Ende. Wir sind immer noch in Deutschland, wir sind immer noch in Korea, wir sind immer noch in Bosnien, verdammt, wir sind immer noch in Amerika. Die Liste ist endlos. Die einzigen Dinge, die bestimmt sind, sind: wer wird bleiben und wer muß gehen, wer wird leben und wer muß sterben, wer wird herrschen und wer muß dienen.


Kelly Dougherty

Kelly Dougherty, 27, aus Colorado Springs, Colorado, diente im Februar 2003 mit der Nationalgarde in Kuwait und anschließend von April 2003 bis Februar 2004 im Irak. Sie war im Südirak, in der Nähe der Stadt Nazaria stationiert.

Bevor man mir sagte, daß ich in den Irak ziehen würde, war ich voll und ganz gegen die Vorstellung, in den Krieg mit Irak zu ziehen. Ich konnte die Gründe nicht glauben, die dafür angegeben wurden - die Massenvernichtungswaffen und die Liga der Terroristen und all das. Als ich im Irak ankam war es die Armut dort, die mich wirklich wie ein Schlag traf - wie arm die Bevölkerung dort war und wie wenig sie hatten, und wieviel durch diesen Krieg und vorherige Kriege zerstört wurde.

Als ich den Irak wieder verließ, hatte sich für die Leute dort nicht viel verändert - es ist alles eigentlich nur schlimmer geworden. Viele Leute hatten immer noch kein Wasser ..... Wir haben ihnen überhaupt nicht geholfen. Und noch dazu die kontinuierliche Degradierung dieses Gebietes - nicht nur durch die Aufständigen - es wird ja nicht täglich davon berichtet, wie die irakischen Leute durch das US-Militär leiden und wieviele Leute eingesperrt, erschossen und getötet oder was auch immer werden - Leute, die völlig unschuldig sind oder die versuchen, ihr tägliches Leben auf die Reihe zu kriegen. All das hat meine Ansichten verstärkt, daß der Krieg falsch war und vor allem, daß Gewalt nur mehr Gewalt nach sich zieht. Wir bringen dort wirklich nichts Positives zustande.

Ich sah oft Gewaltmißbrauch durch Armeeleute - durch Anwendung übermäßiger, unverantwortlicher Gewalt gegen die Irakis - weil sie wußten, daß sie nicht dafür bestraft würden.

Nach einiger Zeit bekamen wir Aufstandskontrollmaterial, sogenannte "nicht-ganz-tödliche" Munition - kleine Säckchen für die Gewehre, Gummikugeln und Rauchgranaten. Diese Dinge wurden oft mißbraucht - das habe ich mit eigenen Augen gesehen - indem man wahllos mit Gummikugeln herumballerte, weil man wußte, daß dadurch wahrscheinlich niemand getötet würde. Deshalb war es für manche lustig, einfach rumzuballern mit den Gummikugeln. Aber das ist kein Scherz! Diese Kugeln könnten auch jemanden töten, ein kleines Kind vielleicht .... oder wenn sie jemanden ins Gesicht treffen ... Sie sind doch keine Spielzeuge.

Auszüge von: http://www.alternet.org/story/24076/

Katherine Jashinski

Ich bin Spezialistin (SPC) in der Nationalgarde der texanischen Armee. Ich bin in Milwaukee, WI, geboren und 22 Jahre. Mit 19 trat ich als Köchin in die Garde ein, da ich Erfahrung mit dem militärischen Leben machen wollte. Als ich mich einschrieb, glaubte ich, daß Töten zwar unmoralisch doch auch ein unverzichtbarer Teil des Lebens sei und damit die Ausnahme von der Regel.

Nach dem Eintritt in die Armee wurde ich langsam erwachsen. Wie viele Teenager, die ihr Zuhause zum ersten Mal verlassen, machte iche eine Zeit des Wachsens und der Selbstfindung durch. Ich traf viele neue Leute und lernte neue Ideen kennen, die meine geringen Erfahrungen ungeheuer erweiterten. Nachdem ich Essays von Bertrand Russel gelesen hatte, in den Südpazifik gereist war und mit Leuten aus der ganzen Welt gesprochen hatte, haben sich meine Überzeugungen hinsichtlich Humanität und ihrer Beziehung zum Krieg verändert. Ich umfassenderes Bild von der Welt und begann alles, was mir als Kind über Krieg beigebracht wurde, neu zu bewerten. Ich kam zu der Überzeugung, daß es falsch war, Menschen zu töten, und daß für Krieg keine Ausnahme gemacht werden dürfte. Dann konnte ich klären, wer ich bin und wofür ich einstehe.

Das Leben ist für mich das höchste Gut auf dieser Welt, und ich würde nie jemanden seines Lebens berauben. So wie andere an Gott glauben, glaube ich an Humanität.

Ich bin tief überzeugt, daß Menschen alle Konflikte durch friedliche Diplomatie und ohne Gewaltanwendung lösen müssen. Gewalt zieht nur mehr Gewalt nach sich.

Weil ich so sehr an Gewaltfreiheit glaube, kann ich in der Armee keine Rolle spielen. Jeder, der in der Armee arbeitet, trägt irgendwie zu der Planung, Vorbereitung oder Ausführung eines Krieges bei.

Als mein Status als Kriegsdienstverweigerin noch in der Schwebe war, habe ich achtzehn Monate lang meine Verpflichtung der Armee gegenüber eingehalten und alles getan, was mir aufgetragen wurde.

Jetzt bin ich an den Punkt gegkommen, wo ich gezwungen bin, zwischen meiner rechtlichen Verpflichtung der Armee gegenüber und meinen tiefsten moralischen Werten zu wählen. Ich möchte klarmachen, daß ich meine Überzeugungen aus keinem Grund komprimitieren werde. Ich habe eine moralische Verpflichtung - nicht nur mir sondern der ganzen Welt gegenüber - und das ist viel wichtiger als jeder Vertrag.

Ich werde mein Recht ausüben, keine Waffe anzufassen und nicht an Kriegsbemühungen teilzunehmen. Ich bin fest entschlossen, als Kriegsdienstverweigerin entlassen zu werden. Während der Berufungsprozess läuft, werde ich weiter Anordnungen ausführen, die ich mit meinem Gewissen vereinbaren kann - solange bis mein Status geklärt sein wird. Ich bin bereit, die Konsequenzen für meine Überzeugungen zu tragen.

Tina Garnanez

"Ich war eine verirrte Eingeborene," sagt Tina Garnanez, als sie von ihrer "Reise" in der Armee erzählt.

Tina wuchs in einem Navajo-Reservat auf und besuchte die Schule in Farmington, New Mexico. Als einzige Tochter einer alleinerziehenden Mutter mit fünf Kindern, schrieb sich Tina mit 17 Jahren ein, um Geld für das College zu bekommen.

"Ich wollte aufs College gehen, und ich wußte, daß ich mit meinem familiären Hintergrund und als Bewohnerin eines Reservats nur wenige Möglichkeiten hatte, zu einer College-Ausbildung zu kommen."

Tina war im März 2003 im Kosovo stationiert, als die amerikanischen Flugzeuge Baghdad bombadierten. Im Juli 2004 wurde Tina in den Irak abkommandiert. Tina hatte ihre Pflicht zwar schon erfüllt, aber die Armee kann die Dienstzeit eines Soldaten durch einen Stop-Loss-Auftrag verlängern.

Als Sanitäter im Irak transportierte Tina Patienten von den Ambulanzen in das Krankenhaus, wo sie den hohen Preis des Krieges sah. "Ich sah entstellte Körper, abgeschossene Gliedmaßen, Soldaten, die verrückt wurden.

Sie fuhr auch mit Konvois, die Medizin zu den Basen brachten. Während einer dieser Konvois entkam Tina knapp einer Explosion. Eine Bombe explodierte und überall flog Staub, Steine und Schrapnell herum.

"Ich war so wütend. Nicht wütend auf die Iraki, aber wütend auf den Grund, aus dem ich da war. Wofür, fragte ich mich? Meine Mutter würde eine zum Dreieck gefaltete Fahne bekommen als Ersatz für ihre einzige Tochter."

In diesem Moment wußte sie, daß sie in diesem Krieg nicht weiter dienen würde. "Ich bin fertig" sagte sie "ich werde nicht für irgendjemandens Ölagenda kämpfen."

Tina ist zuhause in Silver City, New Mexiko, ehrenhaft entlassen. "Ich wünschte wirklich, ich wäre nie in die Armee gegangen. Ich habe jetzt "Post-Traumatic-Stress-Disorder". Alles schreckt mich auf.

Tina sagt, sie spricht mit vielen High-School-Schülern darüber, warum die Rekrutierer sich an arme Studenten aus den Minderheiten wenden. Diese jungen Leute suchen einen Ausweg, heraus dem Ghetto, heraus aus der Armut, fort von Orten, wo es kaum Hoffnung auf Weiterentwicklung gibt. "Das Militär ist nicht die einzige Option, aber in den Schulen sind halt nur die Rekrutierer aus der Armee."

Tina hat versucht zu verstehen, wie sie als Ureinwohnerin Amerikas Teil der gleichen Maschine sein konnte, die die Ureinwohner Amerikas fast ausgerottet hat. "Nicht eingehaltene Verträge. Zwangsansiedlung in Reservaten für uns. Ich war eine verirrte Ureinwohnerin."

Aber Tina Garnanez hat ihren Weg gefunden als Teil einer wachsenden Bewegung unter den Soldaten, die sich gegen den Krieg im Irak ausspricht.

Tina Garnanez wurde von Christine Alm vom Women of Color Resource Center, War Times; Tiempo de Guerras, interviewt.