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Sonderschwerpunkt auf Kriegsdienstverweigerung in Südkorea

Artikel im “Zerbrochenen Gewehr Nr. 53, Nov. 2003, als Teil des Themas „Gefangene für den Frieden in Südkorea“

Jung-min Choi

Erst zu Anfang 2001 wurde der Begriff „Verweigerung des Militärdienstes“ in der koreanischen Öffentlichkeit bekannt. Eine aktuelle Geschäftszeitschrift berichtete über ein Forum zum System des Militärdienstes, eingeschlossen das Recht auf Kriegsdienstverweigerung. Sie berichtete besonders über die Geschichte der KDV von Jehowahs Zeugen. Seit der Gründung der Koreanischen Armee haben mehr als 10 000 Verweigerer (hauptsächlich Jehowahs Zeugen) Zeit hinter Gefängnisgittern verbracht. Die Öffentlichkeit hat sie als nicht existent behandelt.

Korea hat eine lange Geschichte von Militärdiktaturen. Unter dem Slogan „Je reicher das Land, umso besser die Lebensbedingungen der Menschen“ haben die Regierungen große Anstrengungen unternommen, um das Wirtschaftswachstum zu fördern, sie waren an nichts als am BSP interessiert. Die militärische Konfrontation mit Nordkorea wurde genutzt, um Gehorsam und Einheit zu schaffen. Das Herz des koreanischen Militarismus war und ist sein zwangsweiser Militärdienst. Selbstverständlich konnte Kriegsdienstverweigerung nicht akzeptiert werden, und KDV-er sind hart behandelt worden.

Die erste Phase einer KDV-Bewegung

2001 war es ein Tabu, über Themen wie das Militärsystem zu sprechen, über Menschenrechte von Soldaten oder Kriegsdienstverweigerung. Offen gesagt hatten wir auch Zweifel an unserer Fähigkeit, über solch eine Streitfrage zu arbeiten. Wie erwartet begann eine Woche nach unserem Forum die Polizei von Seoul drei antimilitaristische Webseiten zu untersuchen, die auch Informationen dazu lieferten, wie man dem Militärdienst entgehen könne. Als Antwort darauf organisierten verschiedene Friedens- und Menschenrechtsgruppen ein Symposium und veröffentlichten einen Bericht, um das Tabu zu zerlegen, um die Angelegenheit von 50 Jahren der Einkerkerung von Kriegsdienstverweigerern und das Recht auf Kriegsdienstverweigerung ans Licht zu birngen.

Die öffentliche Sympathie ist seither gewachsen. Wachsende Aufmerksamkeit auf die leidvolle Geschichte von Kriegsdienstverweigerern und ihrer Familien spielte dabei eine Rolle. In einer Umfrage, die von einer Zeitung durchgeführt wurde, befürworteten mehr als 50 % das Recht auf Kriegsdienstverweigerung. Die Idee, dass es möglich ist, den Militärdienst zu verweigern, rief einen sehr wichtigen Impuls in Korea hervor, besonders unter Universitätsstudenten und jungen Aktivisten, die den Dienst in der Armee noch vor sich haben. Mit der Verbreitung der Idee erhielten wir eine wachsende Anzahl von Telefonanrufen und Emails mit der Anfrage nach Information über KDV. Im Dezember 2001 erklärte ein Pazifist und Buddhist, Oh Tae-yang, seine Kriegsdienstverweigerung und verwandelte KDV in eine politische Angelegenheit mit Verbindung zu den Beziehungen zwischen Nord- und Südkorea und der nationalen Sicherheit.

KDV-er: eine Bedrohung der nationalen Sicherheit?

2002 bildeten verschiedene Menschenrechtsgruppen die „Koreanische Solidarität für Kriegsdienstverweigerung“ (KSCO), und ein Richter wandte sich an das Verfassungsgericht, weil er Zweifel hatte über die Verfassungsmäßigkeit des gegenwärtigen Militärdienstgesetzes. Seit der Erklärung von Oh Tae-yang ist die politische KDV angewachsen. Bis jetzt haben acht Personen ihre Kriegsdienstverweigerung erklärt. Als der Universitätsstudent Na Dong-hyuk seine KDV erklärte, verpflichteten sich mehr als zwanzig Studenten, sich dem Militärdienst zu verweigern, wenn sie ihren Stellungsbefehl erhielten. Die KSCO erhält eine wachsende Anzahl von Anfragen von Personen, die Kriegsdienstverweigerung für sich ins Auge fassen, daher richteten wir ein regelmäßiges Treffen für junge Leute ein, die sich um ihre Situation Sorgen machen. Im Winter 2002 organisierten wir eine „KDV-Schule“, wo wir Informationen anboten und die Gelegenheit gaben, das Verständnis der KDV-Angelegenheit zu vertiefen.

Mit der Verbreitung der KDV-Bewegung in Korea, besonders unter jungen Menschen, die vom Militärdienst betroffen waren, fing die koreanische Regierung an zu reagieren. Das Bildungsministerium versah jede Universität und jedes College mit Leitprinzipien, die die Verbreitung der KDV-Bewegung untersagen, und das Verteidigungsministerium veröffentlichte eine Stellungnahme gegen das Recht auf KDV. Auch der damalige Präsident Kim Dae-jung äußerte, dass er KDV-Rechte nicht akzeptieren kann.

Angriffe der USA auf den Irak und...

Die Angriffe der USA auf den Irak hatten eine gewaltige Wirkung auf die koreanische Gesellschaft. Zum ersten Mal erhoben viele Menschen ihre Stimme gegen einen Krieg und für Frieden, und zwar für ein anderes Land als für Korea. Viele Friedensaktivisten reisten in den Irak, um zu versuchen, den Krieg zu stoppen und Zeuge zu sein. Als die Anfrage nach der Stationierung koreanischer Truppen kam, wurde die Antikriegsbewegung breiter. Gegen das Ende des Krieges erklärte ein weiterer KDV-er, Kim Do-hyung, seine Verweigerung. In einer Pressekonferenz sagte er, fühle Trauer, wenn er sie Angriffe der USA auf den Irak sieht. Er sagte, die Stationierung koreanischer Truppen machten ihn entschlossen, den Militärdienst zu verweigern, denn er wolle nicht einer Armee angehören, die in einen ungerechten Krieg verwickelt sei.

Ungelöste Probleme

Früher in diesem Jahr hat die Gruppe „Menschen, die ihr Gewissen teilen“, die KDV-er unterstützt, ihren Namen gewechselt in „Welt ohne Krieg“. Einige KDV-Aktivisten nahmen am internationalen Training für den Tag der KDV in Israel teil. In Korea organisierten wir ein Friedenscamp für KDV-er und antimilitaristische Aktivisten. Obwohl mehr oder weniger unerfahren, war dies das erste Mal, dass solch ein Camp in Korea stattfand. Ein neuer Dokumentarfilm zur KDV wurde schließlich vollendet und zum ersten Mal der Öffentlichkeit vorgestellt. Wir erwarten nun, dass er durch Korea reist und weithin verwendet wird. Wir planen die KDV-Friedenskampagne auf den Straßen von Korea und bereiten uns vor für den „Tag der Gefangenen für den Frieden“ am 1. Dezember.

Es ist ein Paradox, dass Korea, ein Land mit einer langen Geschichte des Kampfes für Demokratie, bisher erst drei Jahre Kampf für KDV-er kennt. Es gibt auch jetzt nur wenige KDVer, und es kann noch viel Zeit brauchen, um öffentliche Unterstützung zu erzeugen. Aber es ist offensichtlich, dass die KDV-Bewegung eine neue Perspektive für eine andere Welt liefert, und auch wenn sie langsam vorwärtskommt, tut sie das mit viel Kraft.

 

Veröffentlicht in The Broken Rifle, October 2014, No. 100