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Gewaltfreiheitstrainings – gute Aussichten fuer sozialen Wandel?

Hast Du Dich schonmal gefragt: Was braucht es fuer ein erfolgreiches Gewaltfreiheitstraining?

Gewaltfreiheit – Macht der ‘kleinen Leute’ fuer soziale Veraenderung – kann viele Formen annehmen. Auch Gewaltfreiheits-Trainings wenden unterschiedliche Methoden an, um Einzelnen und Gruppen Instrumente zur Bekaempfung sozialer Ungerechtigkeit an die Hand zu geben. Die Herangehensweisen von GewaltfreiheitstrainerInnen beinhalten eine breite Palette von Methoden: Brainstorming, Kleingruppenarbeit, Rollenspiele, Praesentationen, Diskussionen, audiovisuelle Element – die Liste scheint endlos. Das Hauptziel der TrainerInnen, die Gewaltfreiheits-Workshops leiten, ist ein besseres Verstaendnis aller Gesichtspunkte der Gewaltfreiheit zu entwickeln, indem die Muster der Gewalt, etwa Hierarchien, in Frage gestellt werden. Auf der Basis der Trainings koennen vielfaeltige Beduerfnisse erfasst werden und Bewusstsein fuer eine grosse Anzahl verschiedener Themen geschaffen werden, etwa Gender/ Queer (*), die Analyse von Situationen/ Beziehungen/ sozialen Dynamiken; Strategien koennen entwickelt und Kampagnen organisiert werden, und Teilnehmende koennen sich auf direkte Aktionen vorbereiten.

Gewaltfreiheitstrainings koennen Energie freisetzen, gruppendynamische Prozesse verstaerken, und in konkrete Aktionsplaene muenden, die Gruppen den Anstoss zum Handeln gegen Ungerechtigkeit geben.

(*) Queer laut wikipedia: "Es ist eine Art Sammelbecken, in dem sich – je nach Selbstaussage – außer Schwulen, Lesben, Bisexuellen, Intersexuellen, Transgendern, Pansexuellen, Asexuellen und BDSMlern auch heterosexuelle Menschen, welche Polyamorie praktizieren, und viele mehr finden lassen."

Gewaltfreiheitstrainings bieten Instrumente zur Staerkung von Gruppen, der Entwicklung von Gemeinsinn, durch den Leute lernen, wie sie besser zusammen arbeiten koennen, um starke Bewegungen zu aufzubauen.

Die Auswahl der Uebungen fuer jeden Workshop haengt von der Gruppe ab, die das Training moechte.

Deshalb braucht es die Faehigkeit, eine Gruppe zu analysieren. Alter, Geschlechterzusammensetzung, sprachlicher und Bildungs-Hintergrund sowie wirtschaftliche Status sind – neben anderen Punkten – zu bedenken. Das Thema und die Dauer des Trainings sind abhaengig von den Beduerfnissen der Gruppe, den verfuegbaren Mitteln, der Dringlichkeit des Themas und der Art des Trainings – ist es ein Grundlagentraining oder ein Aufbautraining, ein Training zur Strategieplanung oder ein Kampagnentraining? Waehrend sie die Machtverhaeltnisse in der Gesellschaft in Frage stellen, muessen die TrainerInnen gleichzeitig die Machtverhaeltnisse in Betracht ziehen, besonders diejenigen, die sich aus den Geschlechterverhaeltnissen innerhalb der Trainingsgruppe ergeben. Es ist klar: Gewaltfreiheitstrainings sind keine einfache Angelegenheit. Ein Team von erfahrenen und kenntnisreichen TrainerInnen/ ModeratorInnen kann eine einfuehlsame Atmosphaere herstellen und so eine gute Basis fuer Diskussion und fruchtbare Ergebnisse schaffen. In Kenya beispielsweise benoetigte es die gemeinsamen Anstrengungen von TrainerInnen aus Grossbritannien und lokalen FriedensakteurInnen, das “Turning the Tide” (Gezeitenwechsel) Programm einzufuehren, ein schnell wachsendes Programm fuer Gewaltfreiheit. Das alles begann mit einer Bedarfsanalyse nach der im Gefolge der Wahlen 2007/8 ausgebrochenen Gewalt. Friedensorganisationen hatten viel Arbeit investiert, um die Situation zu beruhigen, aber es gab ein dringendes Beduerfnis, die den wiederholten Gewaltereignissen um die Wahlen herum zugrundeliegenden Konflikt-Ursachen zu bearbeiten. Nach der Bedarfsanalyse wurde ein Konzept entwickelt und ein Programm entworfen. Dieses Programm wurde 2010 mit grossem Erfolg mit einem Team ausgewaehlter Resource-Persons in West-Kenya eingefuehrt. Nach einem 2 Wochen-Intensiv-Training begannen die Teilnehmenden ihre Denkweise zu veraendern und langsam ein ausgepraegtes Interesse an gewaltfreien Kampagnen zu entwickeln. Was dann kam, war erstaunlich. Die trainierten Resource-Persons mobilisierten ihre Gemeinschaften mit Leichtigkeit und gingen einige der existierenden soziaen Ungerechtigkeiten an. Indem sie bescheiden anfingen und weiter machten bis etwas passierte, konnten die informierten und vorbereiteten Resource Persons schlechte Regierungsfuehrung anprangern und, nach und nach, die Gemeinschaften dahingehend starken, dass sie die Regierenden zur Verantwortung zogen.

 Eine der bemerkenswerten Kampagnen bestand darin, dass die Studierenden in einer oeffentlichen Universitaet die faire Zuteilung von Stipendien fordern wollten. Ein zwei-stuendiges Training durch eine der trainierten Resourse-Persons aenderte die Lage enscheidend. Den Studierenden wurde das Konzept der Gewaltfreiheit vorgestellt und sie wurden durch einige der Uebungen des Gewaltfreiheitstrainings gefuehrt – wie das Gewaltfreiheits-Barometer, “eine Aktion ist gewaltfrei wenn…”, die Pfeiler der Macht, der soziale Geschwindigkeitsmesser usw. Am Abend bereiteten sich die Studierenden so vor, dass sichergestellt war, dass alle den Prinzipien der Gewaltfreiheit folgen wuerden. Am naechsten Tag marschierten sie mit einem Memorandum, das ihre Forderungen auflistete, zur oertlichen Verwaltung. Sie sangen religioese Lieder um sich Mut zu machen, trugen Plakate, die ihr Anliegen erklaerten und brachten Dokumente mit, die ihre Fakten bewiesen. Unterwegs gesellten sich Gemeinschaftsmitglieder zu ihnen, denen ihr Vorgehen gefiel und die ihr Anliegen unterstuetzten. Am Ende des Tages wurden sie von lokalen Regierungsvertretern angehoert, die sich umgehend um die Bearbeitung der von ihnen benannten Miss-Staende kuemmerten.

Agona Benard and Hülya Üçpinar

Translation: Anne M. Dietrich