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Unterdrückung innerhalb von Gruppen gewaltfreier Aktivisten

Wenn wir normalerweise an Unterdrückung und Aktivismus denken, konzentrieren wir uns auf die durch die staatlichen Organe wie die Polizei durchgeführten. Dieser Artikel untersucht die Unterdrückung innerhalb der Aktivistengruppen. Damit meine ich die Unterdrückung der Ansichten und Beiträge bestimmter Mitglieder einer Gruppe durch andere Gruppenmitglieder.

In einem Artikel der vorherigen Ausgabe Das Zerbrochene Gewehr beschrieb die südkoreanische LGBT-Menschenrechtsaktivistin Tomato die Feindseligkeit, die ihr von vielen Dorfbewohnern in Gangjeong, auf der Jeju-Insel, entgegenschlug weil sie eine Lesbe ist. Sie war eine der vielen Aktivisten aus ganz Südkorea, die nach Jeju gegangen sind, um die Bewohner dort in ihrem Widerstand gegen den Bau einer neuen Militärbasis zu unterstützen.i Sie erfuhr jedoch Unterdrückung innerhalb einer Bewegung – einer Bewegung, die Leute mit diverseren Ansichten umfaßt, als diese wahrscheinlich in einer kleineren Aktivistengruppe zu finden sind, Leute, die nicht die gleichen Werte und Ansätze teilten, obwohl sie ein gemeinsames Ziel hatten. Ich untersuche die Unterdrückung durch Gruppenmitglieder – interne Unterdrückung auf einem Mikro-Niveau.

Unter Verwendung von Kritikpunkten an gewaltfreiem Widerstand von Peter Gelderloos (eine Antwort auf seine Behauptung, dass ein Festhalten an Gewaltlosigkeit an sich repressiv gegen Minderheiten ist, würde einen erweiterten oder separaten Artikel erfordern) konzentriere ich mich auf des Problem Patriarchat, obgleich ich auch die auf dem Verfahren basierenden Machtungleichheiten bei Konsens-Entscheidungsfindung anspreche, die Howard Ryan in seiner Kritik bespricht.iiEs gibt viele weitere Manifestationen von Unterdrückung innerhalb Gruppen, für die hier kein Platz zur Diskussion ist, wie z. B. die Unterdrückung ethnischer Minderheiten. Gelderloos merkt an, dass während einer Diskussion in einer US-Antimilitaristengruppe über Unterdrückung im Jahre 2003 nur die Nicht-Weißen-, Nicht-Mittelklasse-Mitglieder die Themen interner Rassismus, Sexismus und so weiter aufgriffen. Es ist wichtig zu erkennen, dass unsere Wahrnehmung individueller Privilegien und ungleicher Machtdynamik es uns erlaubt, Unterdrückung innerhalb unserer Aktivistengruppen anzugehen und unsere Verbundenheit und unsere Arbeit dadurch zu stärken.

Patriarchat

Wie Gelderloos angibt: "das Patriarchat ist eine Form gesellschaftlicher Organisation ... [die definiert] klare Rollen (wirtschaftlich, gesellschaftlich, emotional, politisch) für Männer und Frauen und ... (fälschlicherweise) behauptet, dass diese Rollen natürlich seien ... Seinem Namen gerecht werdend stellt es Männer in eine dominante Position". Das Patriarchat "wird nicht durch eine mächtige Elite aufrechterhalten ... sondern durch jedermann"; seine "Machtverteilung" ist sehr diffus. Zumeist wird es im Sexismus (Diskrimination aufgrund des Geschlechts) sichtbar.

Im Juli 2012 veranstaltete die Stadt Liverpool in dem Vereinigten Königreich eine kleine Konferenz "Sexismus im Aktivismus", organisiert durch "Angry Women of Liverpool" (zufällig schreibe ich diesen Artikel auf dem Weg in genau diese Stadt). Teilnehmer Adam Ford überlegte, dass diese Veranstaltung zur rechten Zeit kam, da sie nach "einer Anzahl frauenfeindlicher Vorfälle in und um die Aktivisten-"Szene" in Liverpool stattfand.i Er beobachtet das traurige Paradox, dass "Sexismus in Gruppen, die sich der Gleichheit für Alle verpflichtet haben, vorherrschend ist". (Lt. Gelderloos sagte Martin Luther King Jr. "dass die natürliche Rolle der Frauen das Muttersein sei und dass sie leider in die Positionen "Lehrerin" und "Führerin" "gezwungen" würden.) Die Teilnehmer des Liverpool-Treffens überdachten die Quoten der Geschlechter in ihren eigenen Gruppen und stellten fest, dass fast in allen eine männliche Mehrheit bestand. Die vorgeschlagenen Gründe dafür beinhalteten "praktische Überlegungen wie Kinderbetreuung" (zwei Frauen sagten, dass Kinder bei Aktivistentreffen nicht willkommen sind), aber es herrschte eine starkes Gefühl, dass es eine Kultur sexueller Diskriminierung gab, die die Frauen "massiv" von einer Teilnahme abhielt. Sie diskutierten Wege, dem entgegenzutreten; nannten die Bedeutung sicherer, kinderfreundlicher Orte; aber Ford gibt zu, dass "zum Ende des Treffens die Atmosphäre geladen war ... was war mit all den Leuten, die nicht da waren?"

Bild von Suzy Exposito, von http://beautifultrouble.org/principle/challenge-patriarchy-as-you-organize/ . Der subtilere Kommentar und der für meinen Artikel am relevantesten ist der ganz rechts: "Es ist wirklich nicht so schlimm, wie Du das sagst."

Rat von Sisters of Resistance an männliche Aktivisten (aber auch relevant für weibliche) bei der Behandlung von Sexismus beinhaltet: Arbeiten zu übernehmen, die "typischerweise immer noch von Frauen gemacht werden", wie Putzen, Kinderbetreuung und Verwaltungsarbeiten; Sicherstellen, dass die Mann-Frau-Quote bei Sprechern, Moderatoren, Teilnehmern und Leitern immer 50/50 ist; und (vielleicht am Wichtigsten) "ein Bewußtsein für die Geschlechterfrage und Feminismus in das tägliche Leben einbringen" – denn, wenn man einen revolutionären Wechsel erreichen möchte, muss man bei sich selbst anfangen".ii Dieser letzte Punkt bezieht sich auf die Notwendigkeit, uns auf eine nicht anklagende Art und Weise über Sexismus "zur Rede gestellt werden" zu können. Das wurde während einer Diskussion Anfang des Jahres während der Women's Week an der Warwick Universität betont, an der ich teilnahm. Der gewaltfreie Aktivismus-Trainer George Lakey stellte kürzlich fest, dass Leute nicht "zur Rede gestellt" werden wollen, teilweise weil sie es nicht als hilfreich empfinden, aber wahrscheinlich eher noch, da er das als klassenbetonende Methode betrachtet.iii Ich habe jedoch festgestellt, dass wir im Momenten, in den wir uns nicht wohlfühlen, am meisten lernen, und so lange wir das mitfühlend tun – vielleicht im Privaten – und klarmachen, dass wir selbst (wie jeder) auf unsere eigene Unterdrückung aufmerksam gemacht werden müssen und das das nichts Persönliches ist. Das paßt zu der Forderung Lakeys, dass wir "Anti-Unterdrückungs"-Gruppen oder –Sessions zu (weitaus positiveren) "Befreiungs"-Workshops umformen.

Entscheidungsfindung durch Konsens

Entscheidungsfindung durch Konsens wird oft in Aktivistengruppen praktiziert, aber Ryan betont drei Hauptprobleme. Erstens, "Jedes Mitglied der Gruppe hat die Macht, eine Entscheidung zu blockieren". Diese unverhältnismäßige Kapazität, das Ergebnis zu beeinflussen, führt oft zu nicht zufriedenstellenden Kompromissen, da die Alternative völlige "Unbeweglichkeit" wäre. Tatsächlich kann schon allein das Androhen eines Blockierens diesen Effekt herbeiführen. Zweitens, Konsens favorisiert die Stimme der selbstwußteren, erfahrenen Aktivisten. Ich habe das selbst erlebt, dass besser informierte und selbstbewußtere Leute die Diskussion dominieren und so einen nicht repräsentativen Einfluss auf die Endentscheidung haben. Drittens, Konsens kann ein sehr langwieriger Prozess sein, und lange Treffen sind oft nicht machbar für diejenigen, die bis spät arbeiten und Kinder betreuen müssen. Das priviligiert diejenigen, die weniger Stunden arbeiten und niemanden betreuen müssen.

Schlußfolgerung

Tomato wies darauf hin, dass die Bewohner von Gangjeong "sich nicht so sehr von mir "einer Minderheit" unterscheiden. Aktivisten sind generell eine Minderheit. Es ist wichtig, dass wir die Unterdrückung innerhalb unserer eigenen Gruppen angehen, und dabei damit beginnen, sie in allen ihren unterschiedlichen Formen zu identifizieren. Dann können wir – unter Anwendung positiver Aktionen, wie von Lakey befürwortet – zur Befreiung hinkommen.

Von Owen Everett, Quaker Peace & Social Witness Peaceworker at War Resisters International and Forces Watch.